Unternehmen bekommen heute so viele Bewerbungen auf freie Stellen wie schon lange nicht mehr. Auch wir in der Bundesagentur bekommen aktuell 300 bis 400 Bewerbungen auf eine Jobausschreibung. Das hatten wir vor drei Jahren bei Weitem nicht.

Viele Unternehmen sind sehr zurückhaltend geworden. Sie stellen nur jemanden ein, der hundertprozentig passt. Menschen eine Chance zu geben, die nicht exakt ins Profil passen, dafür haben Firmen oft keine Zeit. Zu groß sind aktuell die Unsicherheiten, etwa wegen hoher Strompreise oder einer schlechten Auftragslage. Dazu kommt die Digitalisierung. Jeder Arbeitgeber schaut erst mal, ob er wirklich einen Menschen braucht oder ob es nicht auch die Möglichkeit gibt, Aufgaben zu automatisieren.

Was können Sie überhaupt gegen die hohe Arbeitslosigkeit tun?

Wir können keine Jobs erschaffen. Die entstehen, wenn die Wirtschaft boomt oder Unternehmen Ersatzbedarfe haben. Das ist in der aktuellen Rezession jedoch nicht so. Wir können aber Menschen beraten und sie in Jobs vermitteln, die zu ihnen passen. Wir befinden uns in einer Zeit der Transformation, in der die Anforderungsprofile der Berufswelt sich so rasant ändern, wie wir es vor zwanzig Jahren noch nicht erlebt haben.

Früher konnten Absolventen mit einer Ausbildung oder einem Studium relativ lange mit ihren Kompetenzen in der Berufswelt zurechtkommen. Heute gibt es halbjährlich neue Technologien, die sie können müssen. Ein klassisches Beispiel ist der Buchhalter. Vorbereitende Buchhaltungsdienstleistungen erledigt inzwischen Künstliche Intelligenz. Das bedeutet für Buchhalter, sie müssen den nächsten Schritt gehen und dann etwa Steuer- oder Bilanzvorbereitungen anbieten.

Gibt es überhaupt noch sichere Jobs?

Ich würde nicht auf einzelne, vermeintlich sichere Berufe setzen. Die Arbeitswelt verändert sich dafür zu schnell. Entscheidend ist, eine gute Grundlage zu haben und lernfähig zu bleiben. Wir gehen in eine Arbeitswelt, in der lebenslanges Lernen normal sein wird.

Also lieber breite Qualifikation statt enger Spezialisierung?

Ja, mein Rat ist, eine Berufsausbildung oder ein Studium zu wählen, das wirklich generalistisch ist. Nehmen wir zum Beispiel die Betriebswirtschaft, damit können Absolventen in nahezu jedem Unternehmen arbeiten. Wer erst einmal in eine Berufsbranche hereingekommen ist, hat dann die Möglichkeit, bei ganz vielen Unternehmen zu arbeiten.



Wir werden es nicht schaffen, bei jedem Berufsbild zu sagen: Macht Vollzeit.


Carina Knie-Nürnberg


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