Ebola-Epidemie in Afrika

Wann kommt endlich ein wirksamer Impfstoff?

21.05.2026 – 08:57 UhrLesedauer: 3 Min.

Ebola-Impfstoff in Injektionsflaschen (Symbolbild): Die bislang verfügbaren Impfstoffe richten sich nicht gegen die aktuell grassierende Virusvariante. (Quelle: Kitsawet Saethao/getty-images-bilder)

Ebola grassiert erneut, doch die Welt ist unvorbereitet. Dass es gegen den aktuellen Erreger noch immer keine Schutzimpfung gibt, droht sich nun zu rächen.

Der derzeitige Ebola-Ausbruch in Zentralafrika versetzt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in größte Sorge. Beunruhigend ist vor allem, dass es gegen den aktuell zirkulierenden Erreger weder einen zugelassenen Impfstoff noch spezielle Medikamente gibt. Schuld daran sind frühere Versäumnisse.

Welche Impfstoffe gibt es derzeit gegen Ebola?

Gegen das Ebolavirus sind laut dem Paul-Ehrlich-Institut (PEI) drei Impfstoffe verfügbar. Das Problem ist, dass sie sich alle nur gegen eine Variante des Ebolavirus richten: das Zaire-Ebolavirus (EBOV). Weitere Impfstoffe, etwa gegen das Sudan-Ebolavirus (SUDV), „befinden sich derzeit in unterschiedlichen Phasen der Entwicklung und werden zum Teil im Rahmen von klinischen Studien eingesetzt“, schreibt das Robert Koch-Institut (RKI) auf seiner Website.

Allerdings sind laut RKI neben den beiden genannten noch zwei weitere Ebola-Varianten bekannt, die für Menschen gefährlich sind: Taï Forest und vor allem der Erreger hinter dem aktuellen Ausbruch, Bundibugyo (BDBV).

Wie fortgeschritten sind die Impfstoffe gegen Bundibugyo?

Alle Impfstoffe gegen das Bundibugyovirus seien noch im präklinischen Stadium, sagt César Muñoz-Fontela vom Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM). Das heißt: Keiner wurde bisher an Menschen erprobt – nicht einmal in einer kleineren Phase-1-Studie, welche dazu dient, die Sicherheit und Verträglichkeit neuer Wirkstoffe zu beurteilen.

Damit nicht genug: Es gibt auch kein Reservoir an BDBV-Impfstoffdosen, die man nun in Bezug auf Sicherheit und anschließend auch auf die Schutzwirkung im Menschen testen könnte. Die Herstellung einer ausreichenden Menge an Impfstoffdosen würde – selbst wenn sie sofort beginnen könnte – Wochen bis Monate dauern, sagt Marylyn Martina Addo vom Hamburger Universitätsklinikum Eppendorf (UKE).

Mitarbeiter des Roten Kreuzes in Schutzanzügen in einem Gesundheitszentrum in Rwampara, Kongo. (Quelle: Moses Sawasawa/AP/dpa/dpa-bilder)

Nach der großen EBOV-Epidemie in Westafrika 2014/2015 mit mehr als 11.000 Toten hatten Fachleute eigentlich darauf gedrungen, Impfstoffe gegen alle gefährlichen Ebola-Varianten auf ihre Sicherheit zu testen und dann in ausreichender Menge zu produzieren, um sie bei einer Epidemie einsetzen zu können. „Hätten wir das vor zehn Jahren mit priorisierten finanziellen Ressourcen schon machen können“, sagt Addo, „wären wir jetzt vorbereitet gewesen“.

„Wir müssen Impfdosen und Therapeutika herstellen, die zumindest für klinische Studien bereitstehen“, betont Muñoz-Fontela. „Und diese Strategie muss vor einem Ausbruch umgesetzt werden, nicht erst nach einem Ausbruch.“ Doch jenseits von akuten Epidemien gebe es wenig Interesse an solchen Erkrankungen, bemängelt der Experte.

Sind zugelassene Impfstoffe in der aktuellen Lage völlig nutzlos?

Möglicherweise bieten die bereits zugelassenen Impfstoffe ein wenig Schutz vor Bundibugyo. Zwischen EBOV und dem Bundibugyovirus bestehe eine enge Verwandtschaft, erläutert Clara Schoeder vom Institut für Wirkstoffentwicklung der Universität Leipzig. Daher könnten gegen EBOV gebildete Antikörper möglicherweise auch die aktuellen Erreger neutralisieren.

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