Restriktive Politik gegen Raucher

Tabaksteuern: Australien versinkt im Krieg um Billigzigaretten


21.05.2026 – 10:12 UhrLesedauer: 4 Min.

Brandanschlag auf Zigarettengeschäft: In Australien eskaliert der sogenannte Tabakkrieg. (Quelle: IMAGO/JAMES ROSS/imago)

Tabaksteuern gelten als das Mittel der Wahl, um die Zahl der Raucher zu senken. Welch unerwünschte Nebenwirkungen diese jedoch haben können, zeigt ein Blick nach Australien.

Noch in diesem Jahr beabsichtigt die Bundesregierung, die Tabaksteuer hierzulande anzuheben. Bereits im September ist laut Medienberichten eine Erhöhung um knapp 15 Prozent geplant. Zum Jahreswechsel soll ein Preisanstieg um weitere fünf Prozent folgen. Statt derzeit zwischen acht und neun Euro werden für eine Packung mit 20 Zigaretten künftig zwischen 9,60 und 10,80 Euro fällig, berichtet die „Bild“.

Auch wenn die Tabaksteuererhöhung in erster Linie Mehreinnahmen für den Steuerhaushalt generieren soll, wirkt sie auch lenkend. Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO sind höhere Steuern die effektivste Maßnahme.

Milliardeneinnahmen aus Tabaksteuer

Die Einnahmen aus der Tabaksteuer lagen in Deutschland im Jahr 2024 bei 15,6 Milliarden Euro. Mit der geplanten Erhöhung der Tabaksteuer will Bundesfinanzminister Lars Klingbeil weitere 2,8 Milliarden Euro einnehmen.

Die Tabaksteuer ist somit ein klassisches zweischneidiges Schwert, deren zwei Ziele – Gesundheitsschutz und Generierung von Steuereinnahmen – im Konflikt miteinander stehen. Was passiert, wenn diese nicht in Ausgleich gebracht werden, zeigt ein Blick nach Australien.

Strenge Gesetze in Australien

Nirgends wird Rauchern ihr Laster so unattraktiv gemacht wie auf dem fünften Kontinent. Die australische Regierung hat nicht nur Tabakwerbung generell verboten, sie legt auch strikt und kleinteilig fest, wie Zigarettenverpackungen auszusehen haben. Neben Schockbildern schreibt die australische Regierung selbst die Farbe der Verpackungen vor: Pantone 448C – eine Art olivgrün. Logos, Markenbilder und Werbetexte sind komplett untersagt, das Gleiche gilt für Begriffe wie „mild“, „light“ oder „extra taste“.

Klare Vorgaben gibt es auch im Hinblick auf die Anzahl der Zigaretten pro Packung sowie zu deren Länge. Lange, dünne Zigaretten, mit denen die Tabakfirmen vorwiegend Frauen ansprechen wollten, sind untersagt. Das Gleiche gilt für das Hinzufügen von Menthol und anderen Geschmacksstoffen. Selbst auf den einzelnen Zigaretten muss eine von acht Gesundheitswarnungen stehen. „Jeder Zug bringt sie dem Tode näher“, steht dort unter anderem geschrieben – das soll abschrecken.

Der größte Abschreckungsfaktor dürfte aber der Preis sein. In keinem Land der Welt sind Zigaretten teurer als in Australien. Beim Tabakhändler kostet die günstigste 20er-Packung derzeit 37,75 australische Dollar – das sind umgerechnet 23 Euro. Für hochpreisigere Marken werden gar 63,50 australische Dollar beziehungsweise knapp 39 Euro aufgerufen. Jedes halbe Jahr steigen die Preise zudem weiter, da die Tabaksteuer an die Inflationsrate gekoppelt ist.

Die Zahl der Raucher sinkt markant

Mit ihrem restriktiven Ansatz feiert die australische Regierung Erfolge – zumindest gesundheitspolitisch. So ist die Zahl der Raucher über die vergangenen Jahre deutlich zurückgegangen. Erklärte 2001 jeder zweite Australier, schon einmal in seinem Leben zur Zigarette gegriffen zu haben, war es 2022/23 nur noch rund jeder Dritte – die harte Linie, die Australien seit 2012 fährt, scheint also zu wirken.

Auch die Zahl der Menschen, die täglich zum Glimmstängel greifen, ist stark rückläufig. Bejahten dies 2001 noch 19 Prozent, lag der Anteil der Raucher 2022/23 nur noch bei rund acht Prozent. Vor allem jungen Menschen wurde die Lust auf die Zigarette durch den massiven Preisanstieg genommen.

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