16 Jahre nach Premiere
Film von 2008 führt Russland Kinocharts an
04.10.2026 – 16:55 UhrLesedauer: 2 Min.
In Russland kehrt „Twilight“ nach 18 Jahren in die Kinos zurück – und führt plötzlich die Monatscharts an. Der Film aus dem Jahr 2008 schlägt neue russische Produktionen deutlich.
Zum ersten Mal seit Beginn der offiziellen Kinostatistik in Russland ist ein Film, der nicht neu in die Kinos gekommen ist, zum umsatzstärksten Film des Monats geworden. Das geht aus einer Auswertung der russischen Wirtschaftszeitung RBK hervor. Der Film „Twilight – Biss zum Morgengrauen“, der bereits 2008 Premiere feierte, kam am 17. September erneut in die russischen Kinos und spielte bislang 340 Millionen Rubel (nach aktuellem Kurs 3,6 Millionen Euro) ein. Damit war die Vampirsaga der erfolgreichste Film im September an den russischen Kinokassen.
Der alte Film aus Hollywood übertraf russische Neuerscheinungen. Das Märchen „Wie Iwan in ein Märchen geriet“ spielte 295,5 Millionen Rubel (3,1 Millionen Euro) und der Science-Fiction-Film „Der neunte Planet“ nur 182,7 Millionen Rubel (1,9 Millionen Euro) ein.
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Mögliche Gründe hinter dem neuen „Twilight“-Hype in Russland
Russische Kinoexperten nennen unterschiedliche Gründe für das gestiegene Interesse an alten Filmen und Serien. Kirill Tanajew, Leiter des Instituts für moderne Medien, führt den Erfolg von „Twilight“ auf einen „objektiven Mangel an einheimischen Filmangeboten in den russischen Kinos“ zurück. Seiner Ansicht nach gebe es zwar zahlreiche Filme, doch nicht genug, um die Kinosäle vollständig zu füllen. „Genau dieselbe Situation herrscht auch bei den Streamingdiensten: Die schwindende Auswahl an ausländischen Filmen wird durch russische Filme und Serien nicht vollständig ausgeglichen“, erklärte er im Gespräch mit RBK.
Der Filmproduzentin Zhana Prossjanowa zufolge haben die Menschen „Angst davor, nach etwas Neuem zu suchen“, und wollen lieber auf bewährte Hits zurückgreifen. Anna Furanowa, Leiterin der Forschungsabteilung der Medienholding ON Media, ist überzeugt, dass es sich um einen nachhaltigen Trend handelt und nicht um einen „kurzfristigen Hype infolge einer einzigen erfolgreichen Neuauflage“. Das Publikum wende sich nicht grundsätzlich von neuen Filmen ab, sondern wolle einfach „seinen freien Abend nicht mehr aufs Spiel setzen“, so Furanowa.
„Unseren Daten zufolge sind die Themen mit der größten Reichweite solche, die ein Gefühl von Sicherheit vermitteln: Nostalgie, Werte und Traditionen“, erklärt sie. An Beliebtheit gewinnen auch Inhalte, „die eine Flucht aus der Realität ermöglichen: Folklore, romantische Fantasy und asiatische Inhalte.“
Filmriesen ziehen sich aus Russland zurück
Wegen des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine haben westliche Filmriesen wie Universal Pictures, Warner Bros. und Walt Disney Pictures sich aus Russland zurückgezogen. Sie vergeben keine offiziellen Lizenzen mehr. Ihre Filme dürfen nicht mehr auf russischen Leinwänden gezeigt werden. Doch Kinos in Russland behelfen sich oft mit illegalen Kopien, um den Betrieb aufrechtzuerhalten.
Russische Filme versagen hingegen an den Kinokassen. Der von der Propaganda hochgelobte Film „Der letzte Held: Kolobok“ floppte im vergangenen Sommer – und das, obwohl der Start von „Spider-Man“ extra verschoben wurde, damit die Neuauflage eines traditionellen Märchens über einen dicken Pfannkuchen keine Konkurrenz befürchten musste.
