
Falschmeldung kursiert
Impfgegner warnen vor „Turbokrebs“ – was steckt dahinter?
01.02.2026 – 07:28 UhrLesedauer: 2 Min.
Impfgegner warnen vor „Turbokrebs“ als Nebenwirkung der Corona-Impfung. Als Beweis führen sie eine neue Studie an – doch die weist Mängel auf.
Seit Beginn der Corona-Pandemie kursieren in sozialen Netzwerken wiederholt Behauptungen, dass Impfstoffe, insbesondere die gegen Covid-19, schwere Erkrankungen wie Krebs verursachen könnten. Besonders die Vorstellung, dass Impfungen „Turbokrebs“ auslösen, sorgt für Aufsehen. Doch was ist an diesen Behauptungen dran? Ist die Corona-Impfung tatsächlich mit einem erhöhten Krebsrisiko verbunden? Ein Faktencheck.
Kürzlich verbreitete sich eine Studie aus Südkorea, die einen statistischen Zusammenhang zwischen Corona-Impfungen und Krebsdiagnosen, insbesondere Prostata-, Lungen- und Schilddrüsenkrebs, herstellt. Diese Studie hat jedoch methodische Schwächen. Immunologe Carsten Watzl erklärt: „Geimpfte Personen sind oft älter und haben häufig Vorerkrankungen, was zu einem erhöhten Krebsrisiko führt. Mehr Arztbesuche und Vorsorgeuntersuchungen führen einfach zu einer früheren Entdeckung von Tumoren.“
Die Untersuchung weist darauf hin, dass das erhöhte Krebsrisiko nicht durch die Impfung verursacht wird, sondern durch die frühere Erkennung aufgrund häufiger ärztlicher Konsultationen. Fachleute weltweit haben die Studie deshalb kritisch bewertet.
Im Internet wird mehrfach vor „Turbokrebs“ gewarnt, einem Begriff, der in Impfgegnerkreisen populär wurde. Dieser soll aggressive Tumore bezeichnen, die sich angeblich schneller als üblich ausbreiten. Doch „Turbokrebs“ ist kein medizinisch anerkannter Fachbegriff. Die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (DGHO) stellte bereits während der Corona-Pandemie fest, dass kein Anstieg von Tumorbefunden infolge der Impfung beobachtet wurde. Auch Ende Januar 2026 findet sich auf der Website der DGHO keine Erwähnung von „Turbokrebs“.
Laut dem Robert Koch-Institut (RKI) gibt es auch nach der Verabreichung von Milliarden Dosen weltweit keine wissenschaftlichen Belege dafür, dass Impfstoffe Krebs auslösen. Vielmehr ist bekannt, dass einige Impfungen vor Virusinfektionen schützen können, die selbst Krebs auslösen; so etwa die HPV-Impfung, die Gebärmutterhalskrebs verhindert, oder die Hepatitis-B-Impfung, die vor Leberkrebs schützt.
Im Jahr 2021, als mehr als 60 Millionen Menschen in Deutschland gegen Corona geimpft wurden, stiegen die Krebsraten nicht an. Watzl betont: „Die Krebsraten sind nicht in die Höhe geschnellt, und es gibt keine Hinweise auf eine Verbindung zwischen der Impfung und Krebs.“
Doch wer steckt hinter diesen falschen Behauptungen? Laut dem Hamburger Rechtsanwalt Jan-Henning Steeneck sind vor allem Gesundheitslaien und unqualifizierte Quellen, die diese Mythen verbreiten, dafür verantwortlich. Einige Experten, die ihren Ruf verloren haben, und prominente Persönlichkeiten tragen ebenfalls zur Verstärkung der Narrative bei. In vielen Fällen verbreiten Menschen solche Informationen, weil sie selbst davon überzeugt sind oder aus Sorge um andere.