Ein Bundesland sticht hervor

Hier verstoßen Tankstellen am häufigsten gegen neue Regel

Aktualisiert am 19.05.2026 – 16:30 UhrLesedauer: 3 Min.

Jede fünfte Tankstelle verstößt gegen die 12-Uhr-Regel bei den Kraftstoffpreisen. (Archivbild) (Quelle: Philip Dulian/dpa/dpa-bilder)

Fast jede fünfte Tankstelle in Deutschland verstößt gegen die 12-Uhr-Regel. Bundesweit gibt es dabei jedoch große Unterschiede – und ein Bundesland ist besonders betroffen.

Anderthalb Monate nach Einführung der 12-Uhr-Preisregel halten sich einer Untersuchung zufolge Tausende Tankstellen nicht an die Vorschrift. Wie aus einer Auswertung des Verbraucherdienstes „Mehr Tanken“ auf Basis von Daten der Markttransparenzstelle des Bundeskartellamts hervorgeht, erhöhten deutschlandweit 2.995 von 15.240 Tankstellen bis zum Stichtag 11. Mai die Preise insgesamt rund 17.000 Mal zu unerlaubten Zeiten.

„Mehr Tanken“ gehört zum Medienhaus „Motor Presse Stuttgart“. Eine andere Untersuchung von Ende April hatte ein ähnliches Bild ergeben.

Die 12-Uhr-Regel gilt seit dem 1. April und schreibt vor, dass Tankstellen nur einmal am Tag – um 12 Uhr mittags – die Preise anheben dürfen. Senkungen sind dagegen immer möglich. Die Vorgabe wurde eingeführt, nachdem der Iran-Krieg zu stark steigenden Spritpreisen geführt hatte. Die Regelung soll Kunden mehr Orientierung geben.

  • „Schmachvoller Deal“: China-Billiglabel kauft teure Ökomarke
  • 350 Jobs betroffen: Varta schließt Werk in Deutschland

Wo es die meisten Verstöße gab

Die Quote betrug der neuen Untersuchung zufolge 19,7 Prozent – es war also fast jede fünfte Tankstelle, die sich nicht immer an die Vorgabe hielt. In Hamburg, Schleswig-Holstein und auch Mecklenburg-Vorpommern wurden vergleichsweise wenige Verstöße gezählt. Am höchsten war die Quote laut Auswertung in Bayern mit 25,6 Prozent, am niedrigsten in Berlin (8,2 Prozent).

Der Zeitraum von 11.30 bis 12.30 Uhr wurde den Angaben nach bewusst ausgeklammert, um mögliche Verzerrungen durch vorzeitige oder verzögerte Preismeldungen auszuschließen.

Die Preistafel an einer Shell-Tankstelle an der Autobahn 59 zeigt für Diesel einen Preis von 1,849 Euro pro Liter an. (Quelle: dpa/dpa-bilder)

Technischer Fehler oder mutwilliger Verstoß?

Der ADAC forderte eine harte Gangart. „Wichtig ist aus unserer Sicht, dass Verstöße sanktioniert werden, so dass diese nicht mehr attraktiv sind“, sagte eine Sprecherin des Verkehrsclubs. Für die Sanktionierung ist allerdings nicht das Bundeskartellamt zuständig, sondern dies liegt in der Verantwortung von Behörden der Bundesländer.

Tankstellenbetreiber betonen, dass es keine kalkulierten Regelverstöße gebe. Vielmehr würden die Abweichungen die mangelhafte Gestaltung des Gesetzes zeigen und aufdecken, wie sehr technische Abläufe an Tankstellen unterschätzt werden, heißt es vom Bundesverband Freier Tankstellen (BFT).

„Preisänderungen an Tankstellen erfolgen nicht per einfachem Knopfdruck gleichzeitig an Zapfsäule, Preistafel und Markttransparenzstelle.“ Vielmehr liefen sie über komplexe Preis-, Kassen- und Kommunikationssysteme, die die Daten zunächst verarbeiten und anschließend an verschiedene technische Komponenten sowie die Markttransparenzstelle übermitteln müssten.

Share.
Die mobile Version verlassen