Suizid in Gefängniszelle

Neue Details nach Tod des mutmaßlichen Stade-Mörders


Aktualisiert am 21.07.2026 – 21:26 UhrLesedauer: 2 Min.

Spurensicherung in Stade: Hier soll Fatih G. sechs Menschen erschossen haben. (Quelle: Jörn Hüneke/dpa)

Nach der Bluttat von Stade mit sechs Toten hat sich der mutmaßliche Täter das Leben genommen. Nun gibt es neue Details zu dem Fall.

Der mutmaßliche Todesschütze von Stade wurde offenbar bis einen Tag vor seinem Suizid engmaschig in einer Einzelzelle überwacht. Das berichtet der NDR. Demnach soll der 45-Jährige während der Untersuchungshaft keine Anzeichen für eine Selbsttötung gezeigt haben. Der Gefangene habe signalisiert, zur Aufklärung der Tat vor drei Wochen beitragen zu wollen. Deshalb sei die 24-Stunden-Videoüberwachung des Inhaftierten am Montag eingestellt worden, heißt es.

Der Verdächtige Fatih G. wurde am Dienstagmorgen tot in seiner Zelle in der Justizvollzugsanstalt Bremervörde entdeckt. Er soll vor drei Wochen sechs Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einer Jugendhilfeeinrichtung in Stade und des zuständigen Jugendamtes erschossen haben. Hintergrund war ein Sorgerechtsstreit.

  • Amoktat von Stade: Der Täter schickte die Mutter aus dem Raum – dann eskalierte es
  • Für 4.000 Euro: Schütze von Stade deckte sich wohl in Berlin ein

Hinweis der Redaktion

Berichte über Suizide können wissenschaftlichen Studien zufolge Anreiz für Nachahmungen geben. Wir berichten daher nur dann über Selbsttötungen, wenn die Betroffenen besonders prominent oder die Begleitumstände außergewöhnlich sind. Falls Sie selbst viel über den eigenen Tod nachdenken oder sich um einen Mitmenschen sorgen, finden Sie hier sofort und anonym Hilfe.

Mutmaßlicher Täter soll sich mit Bekleidungsstück erhängt haben

Nach Angaben des „Spiegel“ soll es dem Häftling gelungen sein, sich unbemerkt mithilfe eines Oberbekleidungsstücks in seiner Zelle zu erhängen. Ob der Raum mit Kameras überwacht wurde, sei Gegenstand einer laufenden Untersuchung, berichtet das Magazin unter Berufung auf Justizkreise.

Dem Bericht zufolge wollte sich G. nach der Tat in Stade mit seiner Waffe selbst erschießen, hatte aber keine Munition. Die Opposition in Niedersachsen fordert nun Aufklärung.

Sechs Tote in Stade: Opposition fordert Aufklärung

Die Parlamentarische Geschäftsführerin der CDU im niedersächsischen Landtag, Carina Hermann, fordert eine „gründliche Untersuchung“ der Todesumstände. „Er hätte als akut suizidgefährdeter Häftling rund um die Uhr beobachtet werden müssen“, sagt sie. Warum das offenbar nicht der Fall war, werde nun untersucht, teilte das Justizministerium in Hannover mit.

„Ich bin erschrocken, bestürzt und betroffen. Das wird den Angehörigen der Opfer von Stade nicht viel anders gehen“, sagte der niedersächsische Landesbeauftragte für Opferschutz, Thomas Pfleiderer, dem „Spiegel“. Die Tat sei gerade einmal drei Wochen her, der Suizid des Tatverdächtigen könnte zu einer Retraumatisierung bei den Angehörigen führen. „Einen lieben Menschen durch eine schwere Straftat zu verlieren oder selbst Opfer einer schweren Straftat zu werden, ist mit das Schlimmste im Leben eines Menschen.“

Share.
Die mobile Version verlassen