Zur Person
Hans Kammerlander, geboren am 6. Dezember 1956 in Ahornach in Südtirol, zählt zu den renommiertesten Extrembergsteigern Italiens. Als professioneller Alpinist und Buchautor hat er weltweit bedeutende Spuren hinterlassen. Sein Name steht für anspruchsvolle Expeditionen in verschiedenste Gebirgszüge der Erde. In den Alpen gelangen ihm zahlreiche Erst- und Alleingänge, auch in Asien und Südamerika bestieg Kammerlander zahlreiche Gipfel – darunter zwölf der vierzehn Achttausender. Ein Meilenstein seiner Karriere war die erste Doppelüberschreitung zweier Achttausender in direkter Folge: Gemeinsam mit Reinhold Messner überquerte er zunächst den Gasherbrum II und anschließend den benachbarten Hidden Peak.
Warum sind die Menschen in den betroffenen Bergregionen besonders verwundbar?
Die Hütten, die sie dort haben, sind oft einfache Steinhütten. Wenn eine Welle kommt, brechen sie zusammen wie ein Kartenhaus. Auch deshalb gibt es bei solchen Katastrophen so viele Opfer. Bei einem Erdbeben reicht manchmal schon das Rütteln, dann brechen die Dächer ein. Ganz oben sind die Häuser vielfach mit Steinplatten gedeckt: Steinmauern an den Seiten, ein paar Balken und darauf die Steine.
Sie haben selbst einen Freund bei einer solchen Katastrophe verloren?
Ja. Ein guter Freund von mir ist bei einem Erdbeben ums Leben gekommen. Er war ein toller Alpinist und hat einen Freund besucht. Die beiden waren vor der Hütte und haben sich unterhalten. Dann kam das Erdbeben. Er ist in die Hütte gerannt, weil dort ein kleines Kind war. Er hat das Kind geschnappt, dann ist die Hütte zusammengebrochen. Er hat es nicht überlebt. Das Kind zum Glück schon.
- Katastrophe im Himalaya: „Für jeden am Wasser wird das Überleben unmöglich“
Sie kennen den Himalaya seit mehr als 30 Jahren. Sehen Sie dort inzwischen deutlich die Folgen des Klimawandels?
Man sieht es an den Gletschern. Ich würde sagen, bis etwa 6.000 oder 6.500 Metern merkt man es. Weiter oben weniger, weil dort einfach die Kälte herrscht. Es gibt Berge, an denen ich in meiner Anfangszeit unterwegs war. Wenn ich heute wieder dort bin, erkenne ich sie kaum wieder, weil die Gletscher schmelzen.
Wie stark haben sich die Gletscher verändert?
In meiner Anfangszeit, das ist schon mehr als 30 Jahre her, waren dort teilweise kompakte Gletscher. Jetzt sind sie zerklüftet, es gibt Spalten, sie schmelzen nach oben ab. Das sieht man überall.
Vielleicht nicht so gravierend wie bei uns, weil wir uns in tieferen Lagen befinden. Nepal ist klimatisch natürlich anders. Aber die Veränderungen des Klimas merkt man auch dort. Nicht so krass wie bei uns, würde ich sagen, aber man sieht sie.
