ChatGPT & Co.

KI-Gesundheitsfragen können Kehrseite haben


02.10.2026 – 07:09 UhrLesedauer: 2 Min.

Mann mit Smartphone (Symbolbild): Immer mehr Menschen wenden sich bei gesundheitlichen Beschwerden gezielt an eine KI. (Quelle: South_agency/getty-images-bilder)

Wer sich mit Fragen zur Gesundheit an eine KI wendet, zeigt laut einer US-Studie häufiger Anzeichen für bestimmte psychische Beeinträchtigungen.

Bei jungen Erwachsenen, die generative KI wie ChatGPT oder Claude für Gesundheitsfragen nutzen, lassen sich öfter Hinweise auf Angst und Depression feststellen. Das ergab eine Forschungsarbeit der University of Florida mit Daten von mehr als 96.000 Teilnehmern. Nachzulesen sind die Ergebnisse in der Fachzeitschrift „Journal of Counseling & Development“.

Was wurde untersucht?

Für die Studie werteten die Wissenschaftler Daten der Healthy Minds Study 2023/24 aus, einer großen Befragung zur psychischen Gesundheit von Studenten an 196 Hochschulen in den USA. Bei dieser wurden Angst und Depression mittels standardisierter Fragebögen erfasst.

Rund 3,4 Prozent der jungen Erwachsenen gaben demnach an, KI für Antworten auf Gesundheitsfragen zu nutzen. Bei ihnen zeigten sich häufiger deutliche Angstsymptome: 52,2 Prozent erfüllten die Kriterien für eine klinisch relevante Angststörung. Bei den Nichtnutzern waren es 42,5 Prozent. Ein ähnliches Bild ergab sich bei Depressionen: 47,6 Prozent der KI-Nutzer erfüllten die entsprechenden Kriterien, bei den Nichtnutzern waren es 38,1 Prozent.

Der Zusammenhang blieb auch bestehen, wenn Faktoren wie Alter, Geschlecht, ethnische Zugehörigkeit und finanzielle Belastung sowie frühere Angst- oder Depressionsdiagnosen berücksichtigt wurden.

Was bedeuten die Ergebnisse?

Die Studie zeigt zwar Zusammenhänge auf, kann aber keine Ursache-Wirkungs-Beziehung beweisen. Die genauen Gründe für die Ergebnisse sind daher unklar. So halten es die Forscher für möglich, dass Menschen mit Angst oder Depression eher KI nutzen, um Informationen oder Unterstützung zu suchen.

Umgekehrt könnte es sein, dass wiederholtes Nachfragen bei einer KI die bestehenden Sorgen verschlimmert: Wer wegen eines Symptoms verunsichert ist und eine KI fragt, erhält eine Antwort. Diese kann weitere Fragen oder Unsicherheiten auslösen – worauf erneut nachgefragt wird. „Diese Art von wiederkehrendem Kreislauf könnte Grübeln, Gesundheitsängste oder andere belastende Zustände verstärken“, sagte Studienleiter Yusen Zhai.

KI klingt überzeugend – auch wenn sie irrt

Anders als eine klassische Internetsuche antwortet eine generative KI direkt und kann auf Folgefragen eingehen. Ihre Antworten können dabei überzeugend und selbstsicher wirken, obwohl die Informationen unter Umständen unvollständig oder falsch sind.

Zhai findet das beunruhigend, denn „junge Menschen haben möglicherweise Schwierigkeiten, falsche Informationen zu erkennen, wenn sie in eine ansonsten plausible Antwort eingebettet sind.“ Er betont allerdings auch, dass das Problem nicht die generative KI selbst sei, sondern wie Menschen sie verwenden.

Die Nutzung von KI für Gesundheitsfragen könnte den Forschern zufolge ein Hinweis auf psychische Belastungen sein – sie fordern daher weitere Studien dazu, welche langfristigen Folgen daraus womöglich erwachsen.

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