Unterschätzter Risikofaktor

Häufige Hautkrankheit macht anfälliger für Netzhautablösung


26.05.2026 – 17:21 UhrLesedauer: 2 Min.

Augenuntersuchung (Symbolbild): Bei einem höheren Risiko für eine Netzhautablösung sind regelmäßige augenärztliche Kontrolluntersuchungen wichtig. (Quelle: CasarsaGuru/getty-images-bilder)

Ohne Behandlung führt eine Netzhautablösung zur Erblindung. Eine Studie berichtet nun von einem bislang eher wenig beachteten Risikofaktor: Neurodermitis.

Eine Netzhautablösung entsteht meist durch Löcher oder Risse in der Netzhaut. Ein erhöhtes Risiko hierfür besteht unter anderem bei hohem Alter, bei starker Kurzsichtigkeit und bei Gefäßveränderungen infolge von Diabetes. Eine kürzlich veröffentlichte Studie hat aufgedeckt, inwieweit Neurodermitis ein weiterer Risikofaktor für Netzhautablösungen sein kann.

Neurodermitis betrifft nicht nur die Haut

Eine Neurodermitis, auch atopisches Ekzem genannt, verläuft oft schubweise und macht sich durch eine trockene, juckende und entzündete Haut bemerkbar. In Deutschland ist sie die häufigste chronische Krankheit im Kindes- und Jugendalter. Bei mindestens 30 Prozent der Betroffenen treten die Symptome auch im Erwachsenenalter zumindest zeitweilig auf.

Als eine eher seltene Komplikation der Neurodermitis gelten Augenerkrankungen wie grüner Star (Glaukom) und Netzhautablösungen. Ein Forschungsteam von der Keck School of Medicine an der University of Southern California (USC) in Los Angeles wollte diesen Zusammenhang genauer untersuchen.

So zeigt sich eine Netzhautablösung

Typisch für eine Netzhautablösung ist eine plötzliche, schmerzfreie Sehverschlechterung. Die Betroffenen nehmen oft Lichtblitze, einen „Rußregen“ und/oder vermehrt „fliegende Mücken“ (mouches volantes) wahr. Die Behandlung muss so schnell wie möglich erfolgen, um eine Erblindung zu verhindern.

Studie an über 500.000 Erwachsenen

Für seine Studie analysierte das Team, ob bei Menschen mit einer diagnostizierten Neurodermitis folgende Ereignisse häufiger auftreten als bei solchen ohne diese Vorerkrankung:

  • eine Netzhautablösung
  • eine proliferative Vitreoretinopathie (PVR): Das ist eine Narbenreaktion der Netzhaut, die als Komplikation nach einer Netzhaut-OP auftreten und zu einer erneuten Abhebung der Netzhaut mit Sehverlust führen kann.
  • die Notwendigkeit einer zweiten, komplexen Behandlung der Netzhautablösung innerhalb von 180 Tagen nach der ersten Behandlung.

In die Untersuchung flossen die Daten von insgesamt 549.094 Erwachsenen ab 18 Jahren ein. Bei der Hälfte von ihnen war eine Neurodermitis diagnostiziert worden, bei der anderen Hälfte nicht.

Deutlich erhöhtes Risiko bei Neurodermitis

Der Vergleich der beiden Gruppen ergab, dass die Personen mit Neurodermitis nach fünf Jahren ein fast dreimal höheres Risiko für eine Netzhautablösung und ein fast fünfmal höheres Risiko für eine Netzhautbehandlung hatten als diejenigen aus der Vergleichsgruppe.

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Außerdem zeigte sich, dass Menschen mit Neurodermitis ein halbes Jahr nach der Behandlung einer Netzhautablösung häufiger eine proliferative Vitreoretinopathie entwickeln und häufiger eine komplexe zweite Behandlung benötigen. Nachzulesen sind die Ergebnisse im Fachjournal „Ophthalmology Retina“.

Studie mahnt zu mehr Wachsamkeit

Damit macht die Studie auf einen bislang unterschätzten Risikofaktor aufmerksam. Denn laut dem Forschungsteam könnte Neurodermitis nicht nur die Anfälligkeit für Netzhautablösungen erhöhen, sondern auch zu schlechteren Operationsergebnissen beitragen. Dies legt den Schluss nahe, dass bei den Betroffenen eine erhöhte Wachsamkeit hinsichtlich der Symptome einer Netzhautablösung sowie eine engmaschigere Überwachung nach einer Netzhaut-OP erforderlich sein könnten.

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