Laut Studie

Spenderherzen passen sich an Alter des Empfängers an


09.10.2026 – 15:44 UhrLesedauer: 3 Min.

Herz abhören (Symbolbild): In Deutschland werden jährlich etwa 350 Herzen transplantiert. (Quelle: FG Trade Latin/getty-images-bilder)

Je nach Alter des Empfängers kann sich womöglich das biologische Alter von Spenderherzen verändern. Darauf deuten Tierversuche und Gewebeproben von Transplantierten hin.

Ein Spenderherz muss genau zum Empfänger passen – etwa in Größe und Funktion. Auch das Alter kann bei der Auswahl eine Rolle spielen. In der Transplantationsmedizin galt lange die Annahme, dass die Überlebenschancen nach einer Herztransplantation sinken, wenn das Spenderherz von einem älteren Menschen stammt. Angesichts des Mangels an Organspenden stellt sich jedoch die Frage, ob ältere Herzen tatsächlich grundsätzlich schlechter geeignet sind.

Ein Forschungsteam hat nun untersucht, wie sich das Alter eines Herzens nach einer Transplantation verändert. Die Ergebnisse legen nahe, dass nicht allein das Alter des Spenders entscheidend ist – auch die Umgebung im Körper des Empfängers scheint eine Rolle zu spielen.

Das Herz passt sich seinem neuen Körper an

Bei Experimenten an Mäusen erhielten junge, mittelalte und alte Tiere jeweils ein zusätzliches Herz von einer Maus unterschiedlichen Alters. Das eigene Herz der Tiere blieb dabei erhalten. So konnten die Forscher beobachten, wie sich das biologische Alter des Spenderorgans in einem jüngeren oder älteren Körper verändert.

Nach vier bis sechs Monaten untersuchten die Wissenschaftler das transplantierte Organ. Dafür nutzten sie sogenannte epigenetische Uhren. Diese messen chemische Modifikationen an der DNA, die sich im Laufe des Lebens verändern, und lassen Rückschlüsse auf das biologische Alter eines Gewebes zu. Dieses muss nicht mit den tatsächlichen Lebensjahren übereinstimmen.

Dabei zeigte sich, dass junge Spenderherzen in älteren Mäusen Anzeichen einer beschleunigten Alterung aufwiesen. Umgekehrt wirkten ältere Herzen in jüngeren Tieren biologisch jünger.

Hinweise auch bei Menschen

Die Forscher überprüften ihre Ergebnisse mittels Gewebeproben von elf Menschen, die ein Spenderherz mit einem erheblichen Altersunterschied bekommen hatten: Dieser betrug 8 bis 24 Jahre bei älteren Spenderherzen, die jüngeren Menschen transplantiert wurden. Bei jüngeren Spenderherzen, die älteren Menschen eingepflanzt worden waren, lag der Altersunterschied zwischen 38 und 50 Jahren. Auch in diesen Fällen näherte sich das biologische Alter des transplantierten Organs dem Alter des Empfängers an.

Zusätzlich analysierte das Team Daten zur Herzfunktion von mehreren Hundert Menschen, die ein Spenderherz erhalten hatten. Die Werte stammten aus EKGs, Herzultraschalluntersuchungen und Belastungstests, die ein Jahr nach der Transplantation durchgeführt worden waren. Hierbei wurde deutlich, dass bestimmte Messwerte der Herzfunktion und die körperliche Leistungsfähigkeit stärker mit dem Alter des Empfängers als mit dem des Spenders zusammenhingen. Das bedeutet allerdings nicht, dass sich sämtliche Eigenschaften eines Herzens verändern.

Studienautor Jesse Poganik erklärt: „Meine Interpretation dieser Ergebnisse ist, dass eine junge Körperumgebung bestimmte Aspekte des biologischen Alters umkehren kann, während andere möglicherweise unumkehrbar sind.“

Noch kein Beleg für echte Verjüngung

Warum sich die Organe anpassen, ist noch unklar. Den Forschern zufolge spielen womöglich die Mitochondrien eine Rolle, also die sogenannten Kraftwerke der Zellen, die Energie bereitstellen. In älteren Herzen, die jüngeren Mäusen eingepflanzt wurden, waren bestimmte Gene für die Mitochondrienfunktion aktiver – und umgekehrt weniger aktiv bei jüngeren Herzen, die in ältere Tiere transplantiert wurden.

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