CDU/CSU-Bundestagsfraktion

Knorpel der Koalition: Spahn stellt sich zur Wiederwahl

Aktualisiert am 05.05.2026 – 04:30 UhrLesedauer: 4 Min.

Seit 24 Jahren gehört Jens Spahn dem Bundestag an, und seit einem Jahr ist er Chef der CDU/CSU-Fraktion. (Archivfoto) (Quelle: Kay Nietfeld/dpa/dpa-bilder)

Sein Start als Fraktionschef war holprig, inzwischen hat sich Jens Spahn aber gefangen. Wie stark sein Rückhalt unter den 208 Abgeordneten der Union ist, wird sich heute zeigen.

Seinen Job beschreibt Jens Spahn so: „Das ist wie Knorpel sein.“ Als Chef der größten Koalitionsfraktion müsse er Druck gleich von mehreren Seiten abfedern – aus der Regierung, der Partei, der eigenen Fraktion. „Eine Aufgabe ist es, das alles in Balance zu bringen, auszugleichen oder auch durchzubringen dann am Ende und dem Druck standzuhalten“, sagte er Anfang April im Podcast „mayway“. Die ersten Monate seien da sehr „intensiv“ gewesen. „Aber unter dem Strich war das schon okay.“

Mit dem heutigen Tag ist Spahn genau ein Jahr der Knorpel der Koalition. Und es gefällt ihm gut genug, dass er sich am Nachmittag den 208 Abgeordneten von CDU und CSU zur Wiederwahl als Fraktionschef stellt. Im Gegensatz zu anderen Bundestagsfraktionen wählt die Union ihre Führung nicht erst zur Mitte der Legislaturperiode neu, sondern schon nach zwölf Monaten. Dann bleibt sie aber bis zur nächsten Bundestagswahl im Amt. Also drei Jahre – wenn die schwarz-rote Koalition hält.

Mit seinen 45 Jahren liegt Spahn zwar noch zwei Jahre unter dem Durchschnittsalter im Bundestag, zählt aber trotzdem zu den erfahrensten Parlamentariern. 2002 wurde er mit 21 als damals jüngster Abgeordneter der Union in den Bundestag gewählt, dem er nun schon fast ein Vierteljahrhundert angehört – mehr als sein halbes Leben.

Von 2017 bis 2021 war er Gesundheitsminister unter Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und nach dem Wahlsieg der Union im vergangenen Jahr auch als Wirtschaftsminister im Gespräch. Merz machte ihn aber zum Fraktionschef. Ein Posten, der im Gesamtgefüge der Koalition deutlich mächtiger ist.

Seine erste Amtszeit begann ziemlich holprig. Das Platzen der Wahl der Rechtswissenschaftlerin Frauke Brosius-Gersdorf zur Richterin am Bundesverfassungsgericht wurde ihm angelastet, weil er den Widerstand in der eigenen Fraktion nicht rechtzeitig erkannte. Er beschreibt diesen 10. Juli 2025 als einen der beiden „heftigsten“ Tage seiner politischen Karriere – neben einer Situation während der Corona-Krise, als er massiv unter Druck geriet.

Aus der Bahn werfen lässt sich Spahn von so etwas aber nicht. Auch nicht von der Affäre um Maskenkäufe in seiner Zeit als Gesundheitsminister, die ihn bis in diese Legislaturperiode verfolgte. „Es braucht ziemlich viel, um mich umzuhauen“, sagt der CDU-Politiker.

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