Holocaust-Erinnerungskultur
Yad Vashem kommt mit Bildungszentrum nach München
Aktualisiert am 28.05.2026 – 14:27 UhrLesedauer: 3 Min.
Schüler und viele andere Gruppen sollen in einem neuen Bildungszentrum künftig mehr erfahren über die Situation der Opfer des Holocaust. Wo die Einrichtung entsteht und wie es dazu kam.
Erstmals errichtet die weltweit größte Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem ein Bildungszentrum außerhalb Israels – und Deutschland bekam den Zuschlag. Das Zentrum wird in München errichtet, den Planungen zufolge im Gebäude eines ehemaligen Parteigerichtes der NSDAP. Eine Außenstelle kommt nach Leipzig. Die wichtigsten Fragen und Antworten zu der Entscheidung.
Warum kommt die Bildungsstätte nach Deutschland?
Die Idee, ein Bildungszentrum zu errichten, geht auf eine Initiative des früheren Bundeskanzlers Olaf Scholz (SPD) und des Yad-Vashem-Vorstandsvorsitzenden Dani Dayan zurück. Bei dessen Deutschlandbesuch im Jahr 2023 kam der Gedanke auf, die Expertise von Yad Vashem bei der Vermittlung geschichtlicher Bildung zum Holocaust auch in Deutschland zu nutzen. Seither laufen die Gespräche und Vorbereitungen.
Im September 2025 hatten der Leiter der Gedenkstätte und Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) mitgeteilt, dass es eine Außenstelle in Deutschland geben soll, als mögliche Standorte waren Bayern, Nordrhein-Westfalen oder Sachsen genannt worden. Prien selbst hat jüdische Wurzeln.
Wo wird das Bildungszentrum entstehen?
Der Standort München könnte symbolträchtiger nicht sein. Das neue Zentrum wird in einem Gebäude am Karolinenplatz 4 unterkommen. An dieser Adresse stand einst das Parteigericht der NSDAP, in unmittelbarer Nähe in der Brienner Straße stand das „Braune Haus“, die Parteizentrale der Nationalsozialisten. Aktuell ist sie das Zuhause der Geschäftsstelle der Akademie der Technikwissenschaften.
Insgesamt waren in dem Viertel in der Maxvorstadt nach Angaben des NS-Dokuzentrums fast 6.000 Beschäftigte in mehr als 60 Gebäuden für die Parteileitung tätig. Heute befindet sich in dem Viertel neben dem Dokuzentrum auch das israelische Generalkonsulat.
München hat eine lange Geschichte des Nationalsozialismus. Die NSDAP wurde dort 1920 gegründet und 1925 neu gegründet. 1923 versuchte Adolf Hitler von dort aus einen Putsch.
Viel später wurde München noch durch ein anders gelagertes Ereignis zum Schauplatz von Antisemitismus: 1972 kam es während der Olympischen Spiele zu einem Attentat palästinensischer Terroristen auf Mitglieder der israelischen Olympiamannschaft, elf Teammitglieder sowie ein deutscher Polizist starben.
Und was entsteht in Leipzig?
In der sächsischen Metropole wird eine Außenstelle des Münchner Zentrums errichtet. Diese kleinere Einrichtung soll interaktive Lernräume etablieren und ihre Angebote vor allem an Pädagogen und junge Menschen in der Region und in den Nachbarländern richten.
Leipzig könne in puncto Bildungsarbeit eine Brücke nach Osteuropa sein – zu Polen und Tschechien, sagte Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU). Beide Standorte sollen in enger Abstimmung zusammenarbeiten.
