
Ernährungstrend
Vitamin-D-Ergänzung im Winter: Hype oder sinnvoll?
Aktualisiert am 01.02.2026 – 13:14 UhrLesedauer: 4 Min.
Vitamin D ist wichtig für Knochen und Immunsystem und wird vor allem unter dem Einfluss von Sonnenlicht von der Haut gebildet: Doch was ist mit der Versorgung im Winter, wenn die Sonne schwächelt?
In den Wintermonaten scheint die Sonne deutlich schwächer – das verringert die körpereigene Produktion von Vitamin D in der Haut. Nachhelfen kann man mit Nahrungsergänzungsmitteln, die Vitamin D enthalten. Ist das nur ein Hype oder doch sinnvoll?
„Vitamin D regelt den Calcium- und den Phosphat-Stoffwechsel und fördert dadurch die Härtung des Knochens“, erklärt Silke Restemeyer von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Es ist aber auch an anderen Stoffwechselvorgängen im Körper beteiligt, hat Einfluss auf die Muskelkraft und trägt auch zu einem gut funktionierenden Immunsystem bei.
Im Gegensatz zu anderen Vitaminen kann der Körper Vitamin D selbst bilden. Diese Produktion erfolge durch Sonnenlichtbestrahlung der Haut, erklärt Restemeyer. Das mache rund 80 bis 90 Prozent aus. Dafür reicht es laut DGE aus, Gesicht, Hände und Arme unbedeckt je nach Hauttyp und Jahreszeit für etwa 5 bis 25 Minuten zwei- bis dreimal die Woche der Sonne auszusetzen.
Auch über einige Nahrungsmittel kann das Vitamin aufgenommen werden. „Die Vitamin-D-Zufuhr über die Ernährung mit den üblichen Lebensmitteln hat nur einen relativ geringen Anteil von 10 bis 20 Prozent“, sagt die Expertin. Jedoch gebe es nur wenige Lebensmittel, die Vitamin D in nennenswerten Mengen enthielten. Dazu gehöre etwa Fisch mit hohem Fettanteil wie Hering oder Makrele.
Für einige Risikogruppen wird empfohlen, Vitamin D einzunehmen – unter anderem für Babys. „Heute gibt man den Säuglingen regelhaft Vitamin-D-Tabletten, um die Knochenerweichung zu verhindern“, erklärt Stephan Scharla von der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie. Bislang gelte das vor allem für das erste Lebensjahr. Von Kinderärzten werde diskutiert, ob man die Empfehlung auf das Kindesalter ausweiten sollte. „Im Grunde müsste man das eigentlich bis zur Pubertät machen“, so Scharla.
Das gelte nicht unbedingt für Kinder, die auf dem Land lebten oder viel draußen seien. Aber für „Stadtkinder“ bis zum 18. Lebensjahr könnte man im Winter empfehlen, Vitamin-D-Tabletten zur Vorbeugung einzunehmen, „damit eben das Skelett der Knochen auch gut wachsen und ausreifen kann“, sagt der Endokrinologe. In den USA werde dies Jugendlichen generell empfohlen. „Vielleicht hängt das auch mit der modernen Lebensweise zusammen, dass die Jugendlichen heute auch nicht mehr so viel draußen sind, sondern mehr den Sport am Bildschirm mit den Fingern betreiben, Gaming und so weiter.“
Auch für andere Risikogruppen könne eine zusätzliche Aufnahme von Vitamin D sinnvoll sein, so Scharla. Dazu gehören in Deutschland etwa Menschen mit dunklerer Hautpigmentierung, da ihre Haut an die höhere Sonnenbestrahlung in südlichen Breiten angepasst sei. Auch bei Menschen, die ihre Haut im Freien dauerhaft bedecken – etwa wegen Hauterkrankungen oder aus religiösen Gründen – ist die körpereigene Vitamin-D-Bildung vermindert.