Unser Gehirn ist einfach nicht dafür ausgelegt, solche Probleme schnell und gut zu verarbeiten.
Maren Urner
Und jetzt müssen wir mit diesem Gehirn aus der Steinzeit moderne Probleme lösen?
Ganz genau. Mittlerweile hängt unser Schicksal nicht mehr nur von der unmittelbaren Umgebung ab, sondern auch von Ereignissen und Zusammenhängen, die sehr weit weg geschehen; zum Beispiel von klimatischen Veränderungen und globalen Krisen. Unser „Steinzeitgehirn“ ist also einfach nicht dafür ausgelegt, solche Probleme schnell und gut zu verarbeiten.
Ist unser Steinzeitgehirn auch dafür verantwortlich, wenn Mitgefühl mit dem Wal bei manchen in Hass umschlägt? Politiker berichten von Morddrohungen. Wissenschaftler und Greenpeace-Aktivisten, die sich seit vielen Jahren für Tiere und konkret für Wale einsetzen, erzählen von einer Feindseligkeit, die sie so noch nie erlebt hätten.
Da werden Erinnerungen an die Corona-Pandemie wach.
Exakt. Das ist wichtig für das Verständnis: Viele, die jetzt wütend sind, haben auch schon vorher Frust darüber verspürt, dass die Welt nicht so funktioniert, wie sie sich das wünschen. Und sobald ein neues Thema aufkommt, über das alle reden, werden sie ihren Verdruss darauf kanalisieren. Das war früher übrigens nicht anders: Als es noch keine Massenmedien gab, hat man sich auf dem Dorfplatz getroffen. Ich will es mit den Vergleichen nicht übertreiben, aber: So sind Hexenerzählungen zustande gekommen.
