Debatte nach Spahns Vaterschaft

Bevölkerung beim Verbot der Leihmutterschaft gespalten


21.07.2026 – 10:13 UhrLesedauer: 5 Min.

Schwangere (Symbolbild): Manche Menschen greifen auf Leihmütter zurück, um eine Familie zu gründen. (Quelle: Westend61/imago)

Der Vorsitzende des Deutschen Ethikrats spricht nach der aktuellen Diskussion um Leihmutterschaft von einer „Doppelmoral der Gesellschaft“. Umfragen zeigen die Komplexität des Themas.

Die Vaterschaft von Jens Spahn hat die Debatte um das Thema Leihmutterschaft neu entfacht. In einer Umfrage für die „Bild“-Zeitung erklärten 41 Prozent, dass sie es für falsch halten, dass Leihmutterschaften in Deutschland verboten sind. 39 Prozent halten das Verbot für richtig. Ein außergewöhnlich hoher Anteil von 20 Prozent machte keine Angabe oder gab an, keine Antwort zu wissen.

Eine Leihmutterschaft ist in Deutschland verboten. Konkret verboten sind die Vermittlung einer Leihmutterschaft und die ärztliche Behandlung sowie das Einsetzen einer Eizelle und die gesamte ärztliche Begleitung des Prozesses. Allerdings machen sich sogenannte Wunscheltern, die eine Leihmutterschaft in Anspruch nehmen, selbst nicht strafbar.

Aufgesplittert nach Parteien ergab sich folgendes Bild: Bei den Unions-Anhängern finden 47 Prozent das Verbot richtig. Bei den SPD-Wählern sind es 48 Prozent. Dagegen hielten 42 Prozent der AfD-Wähler, 47 Prozent der Wähler der Linkspartei sowie 49 Prozent der FDP-Wähler das Verbot für falsch. Bei den Grünen-Wählern hielten ausgeglichen 43 Prozent das Verbot für richtig – und 43 Prozent für falsch.

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Der Vorsitzende des Deutschen Ethikrats, Helmut Frister, fordert nun eine offene gesellschaftliche Debatte über die Leihmutterschaft. „Wenn man die Debatten nicht führt, wird das Problem latent immer bleiben“, sagte der Rechtswissenschaftler im Deutschlandfunk. „Man sollte diese Debatte führen, und man muss halt dann überlegen, welche Güter sich da gegenüberstehen.“

Das sei auf der einen Seite der unerfüllte Kinderwunsch von nicht nur homosexuellen männlichen Paaren, sondern auch von Frauen, die aus medizinischen Gründen selbst kein Kind austragen könnten. Sie könnten sich diesen Kinderwunsch nur mittels Leihmutter erfüllen. „Und das ist auch nichts, was ein Lifestyle-Problem wäre, sondern dieser unerfüllte Kinderwunsch ist für viele existenziell und kann das Lebensglück bedrohen“, sagte Frister. Auf der anderen Seite müssten zum einen die potenziellen Leihmütter geschützt und zum anderen überlegt werden, was das für das Kindeswohl bedeute.

„Doppelmoral der Gesellschaft“

Die Diskussion nach dem Rücktritt von Unionsfraktionschef Jens Spahn (CDU) zeigt aus Sicht Fristers die Doppelmoral der Gesellschaft. Einerseits sei im Inland nicht nur die Leihmutterschaft verboten, sondern auch die Eizellspende. Andererseits werde sehr großzügig toleriert, insbesondere bei der Eizellspende, dass eben Frauen und Paare ins Ausland gehen, um auf diese Weise ihren Kinderwunsch zu erfüllen. „Und es ist ein bisschen so, dass die gesamte Gesellschaft da das Problem ins Ausland verlagert.“

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