So beeinflussen Gespräche und Hörbücher das Fahrverhalten

Gehirn ist überfordert

Forscher warnen vor unterschätzter Gefahr beim Autofahren


02.01.2026 – 07:30 UhrLesedauer: 3 Min.

Egal ob mit dem Beifahrer, am Handy oder über die Anlage: Unterhaltungen am Steuer sind ein Sicherheitsrisiko. (Quelle: DjelicS/getty-images-bilder)

Forscher finden den Grund, warum ein Gespräch hinterm Steuer alles andere als harmlos sein kann. Aber welchen Effekt haben Hörbücher auf das Fahrverhalten?

Ablenkung am Steuer ist eine der häufigsten Unfallursachen. Gründe für solche Ablenkungen gibt es viele: Das Handy, das Navi oder Gespräche – egal ob mit dem Beifahrer oder über die Freisprechanlage.

Diese Ablenkungen führen dazu, dass man nicht voll auf die Straße konzentriert ist. Dann fällt es unter Umständen schwerer, in Notsituationen schnell zu reagieren. Aber das ist nicht der einzige Grund. Insbesondere Gespräche am Steuer scheinen sogar die visuellen Fähigkeiten zu beeinträchtigen. Das zeigt eine neue Untersuchung der Fujita Health University in Japan. Die Studie wurde kürzlich im Fachmagazin „PLOS Ecosystems“ veröffentlicht. Sie hat auch den Effekt von Hörbüchern auf das Fahrverhalten untersucht.

Für die Untersuchung ließen die Forscher 30 gesunde Erwachsene eine Aufgabe am Bildschirm erledigen: Sie sollten möglichst schnell auf blinkende Lichtpunkte schauen, die an verschiedenen Stellen erschienen – mal während sie Fragen laut beantworteten und mal ganz ohne Nebenaufgabe. Der Kopf war dabei über eine Kinnstütze gerade auf den Bildschirm ausgerichtet.

Das Ergebnis war eindeutig: Beim Reden kam es zu Verzögerungen – und zwar in gleich drei Phasen der Blickbewegung. Die Teilnehmer brauchten länger, um den Blick in Richtung des Reizes zu starten, um ihn dorthin zu bewegen und um ihn schließlich zu stabilisieren. Wer redet, schaut also langsamer dorthin, worauf es ankommt – und erkennt Gefahren daher unter Umständen mit Verzögerung. Denn etwa 90 Prozent aller Informationen beim Fahren nehmen wir über die Augen auf.

Besonders kritisch: Die Studie zeigte, dass die Reaktionen auf Reize im unteren Sichtfeld – also etwa direkt vor dem Auto – am stärksten verzögert waren. Genau dort befinden sich viele potenzielle Gefahrenquellen im Straßenverkehr.

Die Forscher erklären die Verzögerungen durch die sogenannte „kognitive Last“. Beim Sprechen muss das Gehirn gleichzeitig Informationen verarbeiten, Sprache planen und formulieren – ein aufwendiger Prozess. Diese geistige Belastung steht dann in Konkurrenz zu anderen Aufgaben, wie etwa dem gezielten Sehen und schnellen Reagieren. Das betrifft nicht nur Handys am Ohr – auch Gespräche über die Freisprechanlage oder mit dem Beifahrer können diesen Effekt haben.

Die Autoren weisen darauf hin, dass ihre Ergebnisse nicht bedeuten, dass Sprechen die alleinige oder dominierende Ursache für verlangsamte Reaktionen am Steuer ist. Dennoch zeigt die Studie, dass Autofahrer dadurch in der frühesten Phase der visuellen Verarbeitung von Informationen gestört werden – noch bevor sie eine Gefahr erkannt haben oder darauf reagieren können.

Aktie.
Die mobile Version verlassen