Digitalgipfel

Shake Hands mit Maschine – Merz: Mensch im Mittelpunkt

Aktualisiert am 02.11.2026 – 16:11 UhrLesedauer: 4 Min.

Shake Hands mit der Maschine – Bundeskanzler Friedrich Merz betont auf dem Digitalgipfel der Bundesregierung, der Mensch müsse immer im Mittelpunkt der technischen Entwicklung stehen. (Quelle: Kay Nietfeld/dpa/dpa-bilder)

Beim Digitalgipfel begrüßt Friedrich Merz einen humanoiden Roboter und mahnt zugleich, der Mensch müsse im Zentrum bleiben. Wie Deutschland im KI-Wettbewerb aufholen will.

Die Metallhand des Roboters umschließt langsam die des Kanzlers, der zuckt mit keiner Wimper. Die Hand sei nicht so stark wie eine menschliche, beteuert ein Mitarbeiter am Stand der Firma Neura Robotics, mit deren humanoidem Roboter Merz beim Digitalgipfel der Bundesregierung auf Tuchfühlung geht.

Die Begegnung zeigt das Spannungsfeld, in dem das zweitägige Expertentreffen mit Regierungsvertretern, Tech-Unternehmern und Wissenschaftler in Berlin stattfindet. KI verändert die Welt in rasantem Tempo. Wie wird das Verhältnis zwischen Mensch und Maschine ausgestaltet? Welche Chancen und Risiken gibt es? Und was muss in Deutschland passieren, damit die USA und China in dem Technologiewettbewerb nicht uneinholbar davonziehen?

Merz: Müssen und wollen Spitzenreiter werden

Merz sprach in seiner Rede von einem epochalen Wandel und mahnte Tempo in Europa und Deutschland an. „Wir müssen, wir wollen Spitzenreiter werden.“ Er forderte aber auch, die Entwicklung Künstlicher Intelligenz müsse sich konsequent an menschlichen Werten orientieren. Der Mensch und seine Würde müssten im Zentrum der politischen Bemühungen bleiben.

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) wirbt beim Digitalgipfel der Bundesregierung für Geschwindigkeit in Deutschland und Europa. (Quelle: Kay Nietfeld/dpa/dpa-bilder)

Nach Erwartung der Bundesregierung werden die nächsten eineinhalb Jahre darüber entscheiden, ob Deutschland im internationalen KI-Wettbewerb den Anschluss hält. Deutschland drohe „trotz einer starken Ausgangsposition insbesondere in der Forschung“ in eine Situation zu geraten, in der sich der Abstand zu den führenden KI-Standorten USA und China stetig vergrößere. „Das Zeitfenster, um diesen Abstand zu verringern, schließt sich bald“, heißt es im Abschlussbericht der KI-Taskforce der Regierung, der beim Digitalgipfel vorgelegt wurde. Die nächsten zwölf bis achtzehn Monate seien für die Weichenstellung entscheidend.

Deutschland soll „KI-Nation“ werden

Die Taskforce unter Leitung des Digitalministeriums war im Sommer vom Nationalen Sicherheitsrat der Regierung eingesetzt worden. Ihr Papier gibt als Ziel aus, Deutschland bis 2030 zur „KI-Nation“ zu machen.

So sollen bis 2030 mindestens 80 Prozent der Großunternehmen und 55 Prozent der kleineren und mittleren Unternehmen KI einsetzen, die Zahl der KI-Startups soll sich verdreifachen, der Anteil der Wirtschaftsleistung, der KI-basiert erwirtschaftet wird, soll mehr als 10 Prozent betragen, 90 Prozent der Bundesbehörden sollen bis dahin mindestens eine KI-Anwendung zur Bearbeitung von Kernaufgaben nutzen. Gestärkt werden sollen den Plänen zufolge Alternativen zu großen KI-Modellen, etwa über einen Ausbau der Zusammenarbeit mit Frankreich und Kanada.

Humanoide und industrielle KI

Bei KI geht es längst um mehr als die reinen Sprachmodelle wie ChatGPT und Anwendungen am Bildschirm. Zunehmend bedeutender wird die Entwicklung humanoider Roboter etwa als künftige Haushaltshelfer oder industrielle KI mit der Produktionsprozesse beschleunigt und weniger fehleranfällig gemacht werden kann.

Auf der Tagesordnung steht bei der Konferenz auch ein besonders sensibles Thema, weil es fast alle betreffen wird: Wie wird KI die Arbeitswelt verändern? Kurz- bis mittelfristig könnten viele Bürojobs verloren gehen, wenn KI immer mehr Routineaufgaben übernimmt. Langfristig könnte auch körperliche Arbeit durch Roboter ersetzt werden. Welche Jobs bleiben übrig, welche entstehen neu? Was, wenn Menschen keine Aufgabe mehr haben und Einkommen wegbricht?

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