Mindestens ein Opfer minderjährig
Staatsanwaltschaft ermittelt gegen fünf Soldaten
Aktualisiert am 04.11.2026 – 17:25 UhrLesedauer: 2 Min.
In Weißenfels sollen Soldaten darum gewetteifert haben, wer mit den meisten Rekrutinnen Sex hat. Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft.
Die Staatsanwaltschaft Halle ermittelt gegen fünf Soldaten des Sanitätsregiments 1 der Bundeswehr in Weißenfels wegen Vorwürfen des sexualisierten Fehlverhaltens und möglicher Verstöße gegen das Arzneimittelgesetz. Wie der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) berichtet, hat die Bundeswehr die Fälle an die Staatsanwaltschaft übergeben.
Die Beschuldigten sind zwischen 36 und 46 Jahre alt. Sie sollen als Vorgesetzte oder Ausbilder in einem Überordnungsverhältnis zu den mutmaßlich betroffenen Rekrutinnen gestanden haben. Bislang liegen den Ermittlern in Naumburg lediglich Vernehmungsprotokolle der Bundeswehr vor. Die Staatsanwaltschaft will nun weitere Beweismittel anfordern.
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Die Vorwürfe gegen Soldaten der Kaserne waren im vergangenen Monat bekannt geworden. Im Mittelpunkt steht nach Angaben des Unterstützungskommandos der Bundeswehr eine Ausbildungseinheit des Sanitätsdienstes. Führungskräfte sollen dort ein Klima geschaffen haben, das Dienstvergehen, Grenzüberschreitungen und sexualisiertes Fehlverhalten begünstigte.
Soldaten sollen um Sex mit Rekrutinnen gewetteifert haben
Wie der „Spiegel“ im Oktober berichtete, soll es unter männlichen Soldaten einen Wettbewerb darum gegeben haben, wer mit den meisten Rekrutinnen schläft. Mindestens eine der mutmaßlich Betroffenen sei zum Tatzeitpunkt minderjährig gewesen. Die Staatsanwaltschaft konnte diese Angabe bislang nicht bestätigen. Mit Zustimmung ihrer Eltern können auch Minderjährige in die Bundeswehr eintreten.
Die bisherigen Aussagen deuteten eher auf einvernehmliche sexuelle Handlungen hin, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Wegen des Machtgefälles zwischen Vorgesetzten und Rekrutinnen könnten die Handlungen dennoch problematisch und strafrechtlich relevant sein. Medienberichten zufolge gab es auch Durchsuchungen in der Kaserne in Weißenfels.
Pistorius nennt Vorwürfe „widerwärtig“
Neben dem Verdacht auf sexualisiertes Fehlverhalten gibt es weitere Vorwürfe. Laut „Spiegel“ soll der Zugführer Drogen konsumiert haben. Zudem soll innerhalb des Verbandes möglicherweise mit Amphetaminen und Testosteron gehandelt worden sein. Dem Bericht zufolge hatte die Bundeswehr neun Angehörigen den Zutritt zur Kaserne untersagt. Sieben von ihnen durften vorläufig weder Dienst leisten noch Uniform tragen. Gegen acht Soldaten wurden Disziplinarverfahren eingeleitet.
Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) hatte nach Bekanntwerden der Vorwürfe umfassende Aufklärung zugesagt. Er bezeichnete die Vorwürfe als „entsetzlich und widerwärtig“. Man werde alles tun, um jeden Täter dingfest zu machen und die Betroffenen besser zu schützen.
Während die Staatsanwaltschaft die mögliche strafrechtliche Verantwortung der fünf Beschuldigten prüft, ist die Bundeswehr für disziplinarrechtliche Maßnahmen zuständig.
