Mit Skalpell und Kamera

Restauratorin rückt Dinos im Tierpark Hagenbeck zu Leibe

24.07.2026 – 17:19 UhrLesedauer: 3 Min.

Christiane Maier untersucht die Farbschichten der Skulptur. (Quelle: Marcus Brandt/dpa/dpa-bilder)

117 Jahre alt, denkmalgeschützt und voller Risse: Die Dinosaurier-Skulpturen bei Hagenbeck brauchen Hilfe. Jetzt rückt eine Fachfrau mit Skalpell und Kamera an.

Eine Restauratorin nimmt die Dinosaurier-Skulpturen im Tierpark Hagenbeck unter die Lupe. Mit Skalpell und Kamera untersucht Christiane Maier die mehr als 100 Jahre alten, denkmalgeschützten Figuren auf Schäden – und soll herausfinden, was eine Restaurierung kosten würde.

Maier beginnt ihre Untersuchung am Allosaurus, einer der zwölf Dinosaurier-Figuren im Tierpark Hamburg-Stellingen. Mit dem Skalpell löst sie neben dem gelben Auge eine Schicht ab, die in den 1980er Jahren aufgetragen worden war. „Man sieht, es ist darunter durchfeuchtet“, sagt die 54-Jährige. Gleichzeitig sucht sie nach Farbresten, um zu rekonstruieren, wie die Oberfläche ursprünglich aussah.

Tierpark und Denkmalschutzamt entscheiden über Vorgehen

Unterhalb des Mauls mit den riesigen weißen Zähnen zeigt sich weiterer Schaden. „Hier hat sich durch die Feuchtigkeit, die überall eindringt, schon die erste Putzschicht abgelöst“, sagt Maier. Es gebe Stellen, an denen es noch schlimmer sei. Auf dem Boden neben der Figur liegen durchsichtige Plastikbeutel mit kleinen abgebrochenen Einzelteilen, die sie dort gefunden hat. Man könne das wieder zusammenpuzzeln, sagt sie, während sie ein Stück Zement mit roten Farbresten in der Hand begutachtet. Hagenbeck-Mitarbeiter legen währenddessen mit Schaufeln das Fundament der Figur zur Begutachtung frei.

Der Allosaurus dient Maier als eine Art Muster für alle zwölf Skulpturen. Sie prüft, welche Materialien verbaut wurden und wie standfest die Figuren sind. Ihre Befunde hält sie fotografisch und digital fest. Daraus soll ein Konzept entstehen. Der Tierpark will dann gemeinsam mit dem Denkmalschutzamt über das weitere Vorgehen entscheiden.

„Es ist einiges dran zu tun“

Noch sind viele Fragen offen. „Wir wissen noch nicht einmal, ob er hohl ist“, sagt Maier über den Allosaurus. Auch eine schwarze Stelle im Mundwinkel der Figur gibt Rätsel auf: „Wir wissen noch gar nicht, was das ist. Wir müssen das im Labor untersuchen.“ Ihr erstes Fazit nach der Bestandsaufnahme: „Es ist einiges dran zu tun.“

Die Geschichte der Skulpturen reicht bis in die Anfänge des Tierparks zurück. Tierparkgründer Carl Hagenbeck (1844–1913) gab die Figuren 1908 in Auftrag, ein Jahr nachdem der Tierpark 1907 eröffnet worden war. Hagenbeck-Archivar Herman Reichenbach erklärt, der Gründer habe sich von klein auf für Reptilien interessiert und bei Besuchen in London die Dinosaurier-Figuren im Crystal Palace Park gesehen.

Mitarbeiter des Tierparks legen das Fundament der Saurier-Skulptur Allosaurus im Tierpark Hagenbeck frei. (Quelle: Marcus Brandt)

Hagenbeck habe sogar an das Überleben von Dinosauriern geglaubt und 1909 eine Afrika-Expedition finanziert, deren Teilnehmer Berichten über ein Lebewesen in der Art des Brontosaurus nachgehen sollten. „Dann hat er sich gedacht: Wenn ich schon keinen lebenden Dinosaurier habe, dann will ich zumindest künstliche“, sagt Reichenbach.

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