„Größte Gefahr für Demokratie“

Rechtsextreme Szene in Hamburg wächst und wird jünger

19.05.2026 – 20:26 UhrLesedauer: 2 Min.

St. Pauli bewarb die Aktion „Kein Bock auf Nazis“: Die rechtsextreme Szene in Hamburg wird größer, jünger und gewaltbereiter. (Quelle: IMAGO/Eibner-Pressefoto/Marcel von Fehrn)

Rechtsextremisten treten in Hamburg wieder offensiver und gewaltbereiter auf. Der Verfassungsschutz warnt zugleich vor Islamismus und russischer Einflussnahme.

Die Zahl der Rechtsextremisten in Hamburg ist im vergangenen Jahr deutlich gestiegen. Das geht aus dem Verfassungsschutzbericht 2025 hervor, den Innensenator Andy Grote (SPD) und Verfassungsschutzchef Torsten Voß vorgestellt haben. Nach Angaben der Behörde treten viele Angehörige der Szene wieder offensiver auf – etwa mit Bomberjacken und Springerstiefeln. Zudem werde die Szene jünger.

Das rechtsextreme Personenpotenzial stieg laut Bericht von 400 auf 450 Menschen. Davon gelten 250 als gewaltorientiert – 100 mehr als im Vorjahr. Auch die politisch motivierte Kriminalität von rechts nahm zu: Registriert wurden 1.517 Straftaten, 167 mehr als im Jahr zuvor. Die Zahl der Gewaltdelikte stieg leicht auf 120 Fälle.

Grote: Rechtsextremismus ist „größte Gefahr für Demokratie“

Grote bezeichnete den Rechtsextremismus erneut als „größte strukturelle Gefahr für unsere Demokratie“. Die Radikalisierung erfolge zunehmend schnell und oft über das Internet. Verfassungsschutzchef Voß sagte, die Szene erinnere in Teilen wieder an die 1980er- und 1990er-Jahre – nicht nur äußerlich, sondern auch mit Blick auf Ideologie und soziale Struktur.

  • Projektil im Bauch: Hündin spielt im Hinterhof – kurz darauf wird sie erschossen
  • „Stand schon fast alles in Flammen“: Brandanschlag auf beliebten HSV-Hähnchenimbiss

Als größte extremistische Gruppe gelten in Hamburg weiterhin Islamisten. Ihr Personenpotenzial blieb mit 1.925 Menschen nahezu unverändert. 84 Prozent von ihnen werden laut Bericht als gewaltorientiert eingestuft. Grote sagte, islamistische Gruppen profitierten weiterhin von den Konflikten im Nahen Osten und der Emotionalisierung junger Muslime in sozialen Netzwerken.

Weniger Linksextremisten, aber mehr Straftaten

Leicht rückläufig war dagegen die Zahl der Linksextremisten. Sie sank von 1.050 auf 1.000 Personen. Gleichzeitig stieg die Zahl linksextremistisch motivierter Straftaten deutlich an. Registriert wurden 929 Delikte sowie 44 Gewalttaten.

Zunehmend beschäftigt den Verfassungsschutz nach Angaben der Behörden auch die Abwehr von Spionage und Cyberangriffen. Als zentrale Akteure nannten Grote und Voß Russland, China und den Iran. Grote warnte vor Versuchen Russlands, Einfluss auf den politischen Meinungsstreit in Deutschland zu nehmen. Als Beispiel nannte er ein gefälschtes Video aus dem Bürgerschaftswahlkampf, das später russischen Urhebern zugeordnet worden sei.

Share.
Die mobile Version verlassen