Neue Forschungsergebnisse
Das könnte die Therapie von Prostatakrebs optimieren
27.10.2026 – 18:32 UhrLesedauer: 3 Min.
Bei Prostatakrebs richtet sich die Therapie nach dem individuellen Risiko. Um dieses besser einzuschätzen, könnte ein bestimmter Test zum Einsatz kommen.
Häufig entwickelt sich Prostatakrebs nur langsam und verursacht lange Zeit keine Beschwerden. In manchen Fällen neigt er aber dazu, schnell zu wachsen und zu streuen. Dann kann die Kombination aus einer Hormontherapie und dem Wirkstoff Abirateron das Leben verlängern. Ob ein hohes Risiko für einen derartigen Verlauf besteht, lässt sich bislang allerdings nicht zuverlässig genug erkennen. Laut einer Langzeitstudie könnte sich dies jedoch zukünftig durch einen Gentest ändern. Die neuen Erkenntnisse wurden auf dem diesjährigen Kongress der European Society for Medical Oncology in Madrid vorgestellt.
Hochrisikopatienten bilden keine einheitliche Gruppe
Je nachdem, wie hoch das von Prostatakrebs ausgehende Risiko ist, kommen unterschiedliche Behandlungsmaßnahmen in Betracht. Während sich die Behandlung bei niedrigem Risiko oft aufschieben lässt, empfiehlt sich bei hohem Risiko eine zeitnahe radikale Therapie.
Allerdings verläuft Prostatakrebs auch innerhalb der Hochrisikogruppe sehr unterschiedlich: Manche Betroffene haben trotz dieser Einstufung eine vergleichsweise gute Prognose. Andere wiederum benötigen besonders intensive Therapien, weil ihr Risiko für Tochtergeschwulste (Metastasen) und Rückfälle deutlich erhöht ist. Diese beiden Gruppen möglichst zuverlässig auseinanderzuhalten, ist für die Wahl der geeigneten Maßnahmen entscheidend.
Zusatztherapien: Lebensverlängernd oder unnötig belastend?
Eine möglichst zutreffende Risikoeinschätzung ist deshalb so wichtig, weil eine intensivere Therapie den Körper auch stärker belastet. Wenn sie bei Männern zum Einsatz kommt, die nur wenig davon profitieren, kann sie deren Lebensqualität unnötig beeinträchtigen. Umgekehrt wäre es problematisch, Männern mit besonders hohem Risiko für Tochtergeschwulste eine wirksame Zusatztherapie vorzuenthalten.
Wie Nutzen und Belastung besser abwägen?
Ein Forschungsteam des University College London (UCL) ging im Rahmen einer Langzeitstudie der Frage nach, wie sich die Risikoeinschätzung bei örtlich begrenztem Prostatakrebs verbessern lässt. Frühere Studienergebnisse hatten gezeigt, dass eine zusätzliche Hormontherapie in Kombination mit dem Wirkstoff Abirateron bei Betroffenen der Hochrisikogruppe das Sterberisiko deutlich senken und das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen kann.
Diese Zusatzbehandlung kann jedoch starke Nebenwirkungen verursachen und hatte sich überdies nicht bei allen Betroffenen als gleichermaßen wirksam erwiesen. Daher untersuchte das Forschungsteam, ob ein zusätzlicher Diagnosetest – der gewebebasierte molekulargenetische Decipher-Test – helfen kann, diejenigen zu identifizieren, die von der zusätzlichen Behandlung profitieren würden – und diejenigen, denen man die Nebenwirkungen ersparen könnte
Gentest könnte Risiko besser vorhersagen
Dazu analysierte das Team Decipher-Tests und weitere Daten von Tausenden an Prostatakrebs erkrankten Männern und errechnete aus den Testergebnissen einen Risikowert. Dabei zeigte sich: Je höher der Wert war, desto häufiger entwickelten die Patienten Tochtergeschwulste oder starben an ihrer Krebserkrankung.
Der Test konnte voraussagen, bei welchen Männern mit örtlich begrenztem Prostatakrebs die zusätzliche Gabe von Abirateron sinnvoll ist, um die Ausbreitung der Krebserkrankung zu verhindern.
