DGB-Bundeskongress

Pfiffe und Buhrufe: Gewerkschafter lassen Merz abblitzen

Aktualisiert am 12.05.2026 – 14:15 UhrLesedauer: 3 Min.

Merz drang beim DGB-Kongress mit seinen Reformappellen nicht durch. (Quelle: Bernd von Jutrczenka/dpa/dpa-bilder)

Merz appelliert auf dem DGB-Kongress an die Gewerkschafter, bei der Reformagenda konstruktiv mitzuwirken. „Das alles ist keine Bösartigkeit“, sagt er. Die Reaktion ist eindeutig.

Bundeskanzler Friedrich Merz hat auf dem Bundeskongress des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) für tiefgreifende Sozialreformen geworben und dafür Pfiffe und Buhrufe kassiert. Mit seinem Appell, den Reformprozess als Chance statt Bedrohung zu begreifen und daran mitzuwirken, drang der CDU-Chef bei den rund 400 DGB-Delegierten kaum durch. „Wir können nicht einfach so weitermachen wie in den letzten 20 Jahren“, rief er ihnen zu. Der Platz, von dem aus man das Land zum Guten gestalten könne, „das ist nicht die Bremse“.

„Deutschland muss sich also aufraffen“

Merz redete als erster CDU-Kanzler seit acht Jahren bei einem DGB-Bundeskongress. Zuletzt war Angela Merkel 2018 beim Dachverband der Gewerkschaften zu Gast, die dort in früheren Jahren auch schon etwa für die Rente mit 67 ausgepfiffen worden war.

Merz hatte bei den Gewerkschaften in den vergangenen Monaten mit Äußerungen zur gesetzlichen Rente als „Basisabsicherung“ oder mangelnder Arbeitsmoral („Lifestyle und Vier-Tage-Woche“) für Unmut gesorgt. In seiner gut halbstündigen Rede vor den Gewerkschaftern machte er nun erneut die Dringlichkeit von Reformen deutlich, um den Wohlstand in Deutschland zu sichern. „Wir haben es schlicht versäumt, unser Land zu modernisieren“, betonte er. „Deutschland muss sich also aufraffen.“

Rentenreform das „härteste Brett“

Als Merz die bereits von der Bundesregierung beschlossenen Sparmaßnahmen bei der gesetzlichen Krankenversicherung schilderte, gab es die ersten Pfiffe, Buhrufe und Zwischenrufe.

Die Gewerkschafter bereiten dem Kanzler einen eiskalten Empfang. (Quelle: Bernd von Jutrczenka/dpa/dpa-bilder)

Die im Sommer bevorstehende Rentenreform bezeichnete er als das „härteste Brett“ der Bundesregierung. „Das alles ist keine Bösartigkeit von mir oder von der Bundesregierung“, betonte er. „Das ist Demografie und Mathematik. Es übersteigt ganz einfach die Kräfte von zwei Beitragszahlern, wenn sie in Zukunft eine Person in der Rente finanzieren sollen.“ Auch hier wurde Merz durch Buhrufe und sogar Gelächter unterbrochen.

Merz hatte im April mit seiner Aussage für Aufsehen gesorgt, dass die gesetzliche Rentenversicherung künftig „allenfalls noch die Basisabsicherung“ neben der privaten und betrieblichen Vorsorge im Alter sein werde und damit nicht nur bei den Gewerkschaften für Empörung gesorgt, sondern auch den Koalitionspartner SPD verschreckt.

Absage an Rentenkürzungen bekräftigt

Auf die Formulierung ging Merz in seiner Rede nicht ein, versicherte aber erneut, dass keine Rentenkürzungen geplant seien. „Niemand in diesem Land schlägt Kürzungen der gesetzlichen Rente vor. Sie wären im übrigen auch gar nicht zulässig.“

Der Kanzler appellierte an die Gewerkschafter, an den Reformen mitzuwirken. „Wir brauchen diese gemeinsame Suche nach Wegen, die unser Land voranbringen“, sagte er. „Den besten gemeinsamen Weg zu finden, das muss uns gerade heute wieder gelingen.“

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