Rüstungsbranche unter Druck
Panzerbauer KNDS stoppt Börsenpläne vorerst
Aktualisiert am 01.07.2026 – 23:20 UhrLesedauer: 2 Min.
Rüstungsaktien haben in Europa zuletzt deutlich an Wert verloren. Der deutsche Konzern will deshalb abwarten.
Der deutsch-französische Panzerbauer KNDS hat seinen geplanten Börsengang verschoben. Die Aktionäre teilten mit, den Prozess erst wieder aufzunehmen, wenn sich das Marktumfeld für Rüstungsaktien in Europa erholt habe, berichtete Reuters. Ein neuer Anlauf ist frühestens im September möglich.
Eigentlich wollte KNDS noch vor Beginn der Sommerpause Mitte Juli an den Börsen in Paris und Frankfurt notiert sein. Das Unternehmen stellt unter anderem die Kampfpanzer „Leopard 2“ und „Leclerc“ sowie weitere militärische Landfahrzeuge her.
Den Ausschlag für die Verschiebung gaben Kursverluste in der Branche. Der Rüstungskonzern Rheinmetall, den viele Investoren als engsten Vergleichsmaßstab für KNDS betrachten, hatte zuletzt massiv an Wert verloren. Auch die Aktien des tschechischen Rüstungskonzerns CSG, der seit Jahresbeginn in Amsterdam gelistet ist, werden weit unter dem Ausgabepreis gehandelt.
Bundesregierung hält an Einstieg fest
Die Bundesregierung hält trotz der Verschiebung des KNDS-Börsengangs an ihrem geplanten Einstieg bei dem deutsch-französischen Panzerbauer fest. Die Regierung respektiere die Entscheidung des Unternehmens, den Börsengang zu pausieren, teilte das Bundeswirtschaftsministerium am Mittwochabend mit. Man sei weiterhin daran interessiert, gemeinsam mit den französischen Partnern das Unternehmen in eine erfolgreiche Zukunft zu führen.
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Hinzu kamen Differenzen bei der Unternehmensbewertung. Laut „Financial Times“ signalisierten wichtige Investoren, KNDS beim Börsengang mit rund zwölf Milliarden Euro zu bewerten. Banker hatten dagegen 15 Milliarden Euro für realistisch gehalten; vor einigen Monaten war sogar von bis zu 20 Milliarden Euro die Rede gewesen. Die deutschen Eigentümerfamilien sollen laut „Financial Times“ nicht bereit sein, eine Bewertung von weniger als 12,5 Milliarden Euro zu akzeptieren. Ein Sprecher wollte sich dazu nicht äußern.
20 Prozent Anteile werden ausgegeben
KNDS erklärte, die Vorbereitungen seien praktisch abgeschlossen und Investorengespräche hätten gezeigt, dass diese an die langfristige Strategie des Unternehmens glaubten. In der Mitteilung hieß es: „KNDS und seine Eigentümer werden die Entwicklungen an den Kapitalmärkten weiter eng beobachten und stehen bereit, den IPO-Prozess wieder aufzunehmen, sobald es das Marktumfeld erlaubt.“
Die französische Staatsseite und die deutschen Eigentümerfamilien halten je 50 Prozent der Anteile und wollen beim Börsengang jeweils zehn Prozent abgeben. Mit der Verschiebung verzögert sich auch der geplante Einstieg der staatlichen KfW-Bank bei KNDS. Der Kaufpreis für das Anteilspaket ist an den Emissionspreis der Aktien geknüpft, zuzüglich eines Paketzuschlags und eines möglichen Nachschlags, falls die Aktie nach der Erstnotiz zulegt. Die Verhandlungen zwischen dem Bundeswirtschaftsministerium und den Eigentümerfamilien hatten sich bis in den Juni gezogen und damit einen früheren Börsengang unter günstigeren Bedingungen verhindert.
