Mordprozess am Berliner Landgericht

Palliativarzt soll Tötungen in Telefonaten eingeräumt haben

16.04.2026 – 16:02 UhrLesedauer: 2 Min.

Der Prozessauftakt (Archivbild): Als erste Zeugin im Prozess gegen einen Palliativarzt, der 15 Patienten getötet haben soll, sagte eine ehemalige Chefin des 40-Jährigen aus. (Quelle: Bernd von Jutrczenka/dpa/dpa-bilder)

Ein Kriminalbeamter berichtet vor Gericht aus abgehörten Gesprächen zwischen dem Angeklagten und seiner Frau. Was der Arzt darin gesagt haben soll.

Am 44. Verhandlungstag im Berliner Mordprozess gegen einen Palliativarzt hat ein Kriminalbeamter als Zeuge belastende Aussagen aus abgehörten Telefonaten geschildert.

Der 41-jährige Deutsche sitzt seit Anfang August 2024 in Untersuchungshaft. Von dort telefonierte er mit seiner Ehefrau. Die Mordkommission hörte den Anschluss der Frau ab. Der Beamte gab im Zeugenstand an, den Inhalt von etwa 25 Gesprächen zu kennen.

Laut dem Zeugen habe der Angeklagte gesagt, er habe „nicht wahllos getötet, sondern gut durchdacht“. Sein Vorgehen habe er gegenüber seiner Frau als „moralisches Handeln mit den falschen Mitteln“ beschrieben. Einen ersten Bezug zum Fall habe man hergestellt, als der Angeklagte sagte, die Gesellschaft sei noch nicht weit genug – es müsse Gesetzesänderungen geben.

Nach Angaben des Kriminalbeamten habe der Angeklagte erklärt, er habe stets Vorgespräche mit seinen Patienten geführt. Medikamente seien teils therapeutisch, teils zum Töten eingesetzt worden. In einem Fall habe er einem Mann eine Spritze gegeben, damit es schnell gehe. Er habe dabei von Sterbehilfe gesprochen.

Der Zeuge berichtete von weiteren Aussagen aus den Telefonaten: Der Angeklagte habe gesagt, er habe schon lange getötet. Es habe ihm keine Freude bereitet, ihn aber auch nicht wirklich fertig gemacht. Er würde immer wieder so handeln. Laut dem Kriminalbeamten soll der Angeklagte auch gesagt haben: „Ich meckere doch nur rum und gestehe Tötungen.“

Nach Einschätzung des Beamten wurde die Ehefrau im Laufe der Gespräche zunehmend in die Entwicklung von Erklärungen für die Fälle einbezogen. Das Paar habe besprochen, wie Aufklärungsbögen nachträglich erstellt werden könnten. Der Angeklagte habe erklärt, er könne gut Unterschriften fälschen.

Der Palliativmediziner steht seit Juli 2025 vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Mord aus Heimtücke und sonstigen niedrigen Beweggründen in 15 Fällen vor – im Zeitraum von September 2021 bis Juli 2024. In einigen Fällen soll er laut Staatsanwaltschaft Brände gelegt haben, um die Taten zu vertuschen.

Parallel zum Prozess laufen Ermittlungen zu mehr als 70 weiteren Fällen. Laut Staatsanwalt Philipp Meyhöfer soll Ende April in Kroatien ein Grab geöffnet und die dort bestattete Leiche einer betroffenen Frau untersucht werden. Verhandlungstermine sind bislang bis August angesetzt.

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