Verbraucherzentrale alarmiert
Verbotene Chemikalie in Kinderjacke von Textilhersteller festgestellt
16.04.2026 – 17:04 UhrLesedauer: 2 Min.
Die Verbraucherzentrale Hamburg legt besorgniserregende Ergebnisse zu per- und polyfluorierten Alkylsubstanzen (PFAS) vor – und fordert ein umfassendes Verbot.
Eine Kinderjacke des Herstellers KiK wies in einer Stichprobe der Verbraucherzentrale Hamburg stark erhöhte Werte von Perfluoroctansäure (PFOA) auf. Die Chemikalie, die aus der Gruppe der PFAS stammt, ist seit Juli 2020 weitgehend verboten. Susanne Langsdorf von der Verbraucherzentrale Hamburg sagt: „Dass wir ausgerechnet in einer Kinderjacke eine verbotene Substanz finden, ist alarmierend.“
Das betroffene Kleidungsstück, das auf der Webseite des Textilherstellers inzwischen als „ausverkauft“ angezeigt wird, wurde bislang allerdings noch nicht zurückgerufen – trotz Warnung der Verbraucherzentrale. „Dabei haben wir KiK bereits im Februar über das Ergebnis unserer Untersuchung informiert. Bis heute hat sich das Unternehmen jedoch nicht zurückgemeldet und keinen Produktrückruf in die Wege geleitet“, sagt Langsdorf. Auch auf der Warnliste „Gefährliche Produkte in Deutschland“ der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) sei die Kinderjacke bislang noch nicht aufgeführt.
Immer wieder zeigen Untersuchungen der Verbraucherzentrale Hamburg, dass PFAS, sogenannte „Ewigkeitschemikalien“, nach wie vor in vielen Alltagsprodukten eingesetzt werden. Unter anderem wurden erst im vergangenen Jahr hohe Gehalte an PFAS in Antihaft-Pfannen festgestellt. Die Chemikalien, die in der Umwelt nicht abgebaut werden, stehen unter anderem im Verdacht, die Fruchtbarkeit zu beeinträchtigen oder Krebs zu verursachen. Bislang sind nur wenige der mehr als 10.000 Verbindungen der Stoffgruppe reguliert oder verboten.
Laut Langsdorf können in vielen Alltagsgegenständen PFAS stecken, doch Verbraucher haben beim Kauf keine Möglichkeit, das zu erkennen. „Es sei denn, die Unternehmen weisen freiwillig darauf hin. Oft sind die Kennzeichnungen aber irreführend, denn meist bedeutet ‚PFOA-frei‘, dass andere PFAS enthalten sind“, fügt sie hinzu. Aus diesem Grund fordere sie ein zügiges und umfassendes Verbot der gesamten Stoffgruppe in der Europäischen Union sowie eine klare Kennzeichnungspflicht.
„Unser aktueller Fund in der Kinderjacke von KiK zeigt, dass selbst bereits seit Jahren verbotene Stoffe weiterhin in Produkten auftauchen“, sagt Langsdorf und ergänzt: „Ohne wirksame Kontrollen und spürbare Konsequenzen für Hersteller drohen bestehende Regelungen ins Leere zu laufen.“ Derzeit werden auf EU-Ebene bereits weitreichende Beschränkungen der Stoffgruppe vorbereitet, eine endgültige Entscheidung wird voraussichtlich aber erst Ende 2026 getroffen.
