Was er am Pinnasberg aufbaute, war kein kuratiertes Erlebnis, sondern ein Ort, an dem rund tausend Spirituosen nicht Dekor waren, sondern Programm. Whisky, Rum, Brandy, Aquavit, aufgereiht hinter dem langen Tresen wie eine Bibliothek des Geschmacks. Das Magazin „Falstaff“ gab dem „Christiansen’s“ im Barführer 2026 zweiundneunzig Punkte. „Genuss-Michel“ hatte die Bar 2023 zur „Bar des Jahres“ gewählt. Im Jahr 2000 gewann Uwe den Titel „Best Bartender Germany“ bei einer World Bar Championship in New York. Wer sie sehen will, findet sie: Dutzende Urkunden und Preise, aufgehängt in einem kleinen Raum zwischen Gastraum und Toilette. Eine Retrospektive im Vorbeigehen.
Abtien Golghazi kam als junger Student in diese Bar und setzte sich genau auf jenen Hocker an der Ecke des Tresens, auf dem er heute noch manchmal sitzt. Er habe sich, sagt er, sofort verliebt. Einen Abend, dann eine Woche, dann eine Schicht. Dann noch eine. Was dazwischen lag, war eine Geschichte von wachsender Verantwortung, von einer Bar, die sich unmerklich von Uwes Lebenswerk in sein eigenes Baby verwandelte. „Dadurch wurde der Laden immer mehr meins“, sagt er. Es klingt nicht wie Aneignung. Es klingt wie Ankommen.
Uwes Tod traf die Branche weit über Hamburg hinaus. Die offizielle Trauerfeier fand am 31. Januar 2025 in der St.-Pauli-Kirche statt — und noch am selben Abend begannen einige Hamburger Bars, seinen berühmtesten Cocktail zu servieren: den Shanghai Baby Royal, den Uwe 2007 kreiert hatte, als Welcome-Drink für die Schauspielerin Bai Ling auf deren Yacht in Cannes. Wodka, Litschilikör, Maracujanektar, Grenadine, Zitrone, Champagner. Einen Teil des Erlöses spendeten die Bars an die Jugendsozialarbeit der St.-Pauli-Kirche — so hatte Uwe es gewollt. Tim Mälzer kondolierte öffentlich. „Danke für unvergessliche Stunden, an die wir uns nicht mehr so recht erinnern können“, schrieb der TV-Koch. Der Kiez in Trauer.
Golghazi führt die Bar heute als eingetragener Inhaber. Er hat keine Angst vor Veränderung – aber auch keine Eile, den Staub vom Tresen zu wischen, bloß weil er jetzt derjenige ist, der ihn wischen darf. Er hat eine eigene Handschrift, die er schon zu Uwes Lebzeiten einbrachte: das klassische Free-Pouring nach Handmaß, das Arbeiten nach Gefühl, die Überzeugung, dass jeder Drink so aussehen muss, als könnte man ihn direkt fotografieren. Und das Beratungsgespräch, bei dem er herausliest, was der Gast eigentlich möchte. „Ich verkaufe fast nie das, was auf der Karte steht“, sagt er. Uwe habe ihm das so beigebracht: klassische Barschule, handwerkliches Gewissen und dann das Gespür für den Menschen auf dem Hocker.
