Missverständnisse können gefährlich werden
Sepsis – über diese Mythen sollten Sie Bescheid wissen
29.06.2026 – 12:55 UhrLesedauer: 3 Min.
Roter Strich auf der Haut? Gifte im Blut? Rund um die Sepsis – umgangssprachlich „Blutvergiftung“ – kursieren viele Irrtümer. Hier erfahren Sie, was wirklich stimmt.
Die Sepsis zählt zu den häufigsten Todesursachen in Deutschland. Dennoch wissen viele Menschen nur wenig über die Erkrankung, und einige weitverbreitete Mythen halten sich bis heute hartnäckig. Zwar ist der Begriff „Blutvergiftung“ den meisten geläufig, doch über die eigentlichen Ursachen, Warnzeichen und Möglichkeiten der Vorbeugung bestehen erhebliche Wissenslücken. Einige der häufigsten Missverständnisse stellen wir hier vor.
Zum Hintergrund
Die hier aufgeführten Irrtümer stammen aus einer repräsentativen Befragung älterer Menschen in Deutschland aus dem Jahr 2018. Daraus ging unter anderem hervor, dass 39 Prozent der Menschen eine Sepsis nicht korrekt definieren können. Mehr als jeder Zweite hielt einen roten Streifen auf der Haut für ein typisches Anzeichen einer Sepsis, und rund 23 Prozent glaubten fälschlicherweise, sie sei eine schwere allergische Reaktion. Nur etwa zwölf Prozent wussten, dass auch eine Grippe, und lediglich 24 Prozent, dass eine Lungenentzündung eine Sepsis auslösen kann. Zudem war nur rund 17 Prozent der Befragten bekannt, dass Impfungen das Risiko für eine Sepsis senken können.
„Eine Sepsis ist eine Blutvergiftung“
In der Alltagssprache wird die Sepsis als Blutvergiftung bezeichnet. Fasst man diesen Begriff wörtlich auf, führt er allerdings in die Irre: Es handelt sich nicht um eine Vergiftung. Vielmehr entsteht eine Sepsis, wenn der Körper auf eine Infektion mit einer überschießenden und fehlgesteuerten Immunreaktion antwortet. Dabei richtet sich die körpereigene Abwehr nicht nur gegen die Krankheitserreger, sondern greift auch gesundes Gewebe und lebenswichtige Organe an.
„Eine Sepsis äußert sich durch einen roten Strich, der von einer Wunde zum Herzen verläuft“
Ein solcher roter Streifen kann auf eine Entzündung der Lymphbahnen (Lymphangitis) hinweisen. Dazu kann es kommen, wenn Bakterien über eine kleine Verletzung oder eine entzündete Hautstelle in die Lymphgefäße eindringen und sich dort ausbreiten. Die Lymphgefäße sind Teil des Immunsystems und transportieren Gewebeflüssigkeit sowie Abwehrzellen. Gelangen Krankheitserreger hinein, entzünden sich die Gefäßwände.
Bei einer Lymphangitis ist eine ärztliche Behandlung wichtig. In seltenen Fällen kann sich die zugrunde liegende bakterielle Infektion nämlich weiter ausbreiten und eine Sepsis auslösen. Ein roter Streifen allein ist jedoch kein typisches Anzeichen einer Sepsis. Diese kann auch vorliegen, wenn kein roter Streifen sichtbar ist.
„Eine Sepsis ist eine schwere allergische Reaktion“
Die Gemeinsamkeit zwischen einer Sepsis und einer allergischen Reaktion besteht darin, dass das Immunsystem übermäßig reagiert. Der entscheidende Unterschied liegt im Auslöser: Eine Sepsis entsteht immer als Folge einer Infektion, etwa durch Bakterien, Viren oder Pilze. Eine Allergie wird dagegen durch eigentlich harmlose Stoffe wie Pollen, Hausstaub oder bestimmte Lebensmittel ausgelöst.
Außerdem unterscheidet sich die Art und Heftigkeit der Immunreaktion: Bei einer Sepsis kann die überschießende Entzündungsreaktion den gesamten Körper schädigen und tödliche Konsequenzen haben. Bei einer Allergie fällt die Reaktion meist deutlich begrenzter aus und betrifft vor allem die Organe, die mit dem Allergen in Kontakt gekommen sind. Nur in schweren Fällen, etwa bei einem anaphylaktischen Schock, kann auch eine allergische Reaktion lebensbedrohliche Ausmaße annehmen.
„Gewöhnliche Infekte wie eine Grippe können nicht zur Sepsis führen“
Eine Sepsis entwickelt sich häufig als Komplikation einer zunächst alltäglich erscheinenden Infektion – etwa einer Grippe, einer Covid-19-Erkrankung, einer Blasenentzündung oder einer Lungenentzündung. Bei den meisten ansonsten gesunden Menschen heilt eine solche Infektion ohne schwerwiegende Folgen aus. Bestimmte Personengruppen haben jedoch ein deutlich erhöhtes Risiko, dass der Körper die Infektion nicht mehr ausreichend kontrollieren kann und sich eine Sepsis entwickelt.
