Überlastung in der Notfallmedizin
Dass die Schwierigkeiten über einzelne Häuser hinausreichen, zeigt eine Hamburger Befragung der Deutschen Gesellschaft für Notfallmedizin, kurz DGINA. Acht von neun teilnehmenden Notaufnahmen meldeten Probleme bei der Weiterverlegung oder Entlassung. Sieben nannten fehlende Betten auf Normalstationen. Sechs hielten ihre pflegerische, sieben ihre ärztliche Besetzung für unzureichend.
- Überlastetes Gesundheitssystem: „Wir sind an unserer Belastungsgrenze und bekommen keine Pausen“
Die Erhebung bezog sich auf den 2. Juni 2026. Vier der neun Einrichtungen berichteten von Überlastung, darunter eine von einer schwerwiegenden und eine von einer als gefährlich eingestuften Situation. In sechs Häusern hatte die Belastung durch Überfüllung oder verzögerte Weiterverlegung innerhalb eines Jahres zugenommen.
Ein Projekt aus München lässt aufhorchen
Dass es anders geht, zeigt ein Projekt aus München. Beim Übergang von der Notaufnahme auf die Station wird dort viel stärker koordiniert, berichtet die „Süddeutsche Zeitung“. Der kommunale Verbund München Klinik (MüK) führte mit „ZNA20++“ einheitliche Standards in seinen vier Notaufnahmen ein. Speziell geschulte Pflegekräfte koordinieren als „Flowmanager“ die Versorgung. In Harlaching gibt es außerdem eine betreute „Holding Area“ für Patienten, die auf ihre Verlegung warten. Sie soll die Notaufnahme und die Stationen bei den Übergaben entlasten.
Der Verbund meldet Fortschritte: Die Abmeldequote seiner Notaufnahmen bei der Rettungsleitstelle sei um rund 60 Prozent gesunken. In Harlaching würden 80 Prozent der Notfallpatienten ohne Wartezeit versorgt. „Das Wartezimmer ist dort nahezu durchgehend leer“, heißt es in einer Pressemitteilung der MüK. Die Verweildauer bis zur Entlassung oder Verlegung habe sich halbiert und betrage im Median 2,9 Stunden. Die Hälfte der Patienten bleibt demnach kürzer, die andere länger, zeigen Zahlen vom Klinikverbund.
Hamburg hat Kliniken verkauft
Für Hamburg wäre eine solche Koordination der Weiterverlegung ein Ansatz. Ein betreuter Übergangsbereich könnte Behandlungsplätze freihalten. Er braucht allerdings selbst Personal und ersetzt keine verfügbaren Stationsbetten. Und: Hamburg hat keinen kommunalen Klinikverbund mehr. 2004 verkaufte die Hansestadt rund 75 Prozent seiner Kliniken an den privaten Betreiber Asklepios. Um ein ähnliches System zu etablieren, müsste der private Klinikbetreiber aktiv werden.
Bei der Zuordnung zur passenden Behandlung gibt es in Hamburg bereits Erfahrungen. Im Marienkrankenhaus werden selbstständig eintreffende Hilfesuchende an einem gemeinsamen Tresen von Klinik und Kassenärztlicher Vereinigung eingeschätzt. Je nach Bedarf werden sie in die Notaufnahme, eine Bereitschaftspraxis oder andere ambulante Angebote geleitet. Das beschreibt eine Evaluation des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung.
