Gesundheit
Wenn das Herz stillsteht: Mit bloßen Händen Leben retten
20.09.2026 – 06:01 UhrLesedauer: 4 Min.
Wenn der Partner oder die Kollegin zusammenbricht, kommt es auf jede Sekunde an. Doch viele sind in Sachen Wiederbelebung unsicher. Welche Folgen das hat – und welche Hoffnung auf der Jugend ruht.
Es ist ein unbeschwerter Sommertag, als Rebekka K. unvermittelt um das Leben eines Menschen kämpft. Mit ihren kleinen Kindern will sie im Nürnberger Stadtpark gerade zum Spielplatz gehen. „Da habe ich auf der Wiese einen Mann hinfallen sehen – nicht alt, vielleicht 60 Jahre. Der ist einfach umgefallen“, schildert sie anlässlich der diesen Montag beginnenden Woche der Wiederbelebung den einige Jahre zurückliegenden Notfall.
Statt wegzuschauen, lief die damals 32-Jährige hin. Anfangs habe der Mann noch unverständliche Sätze von sich gegeben, erzählt sie. „Dann wurde er immer stiller und ruhiger und ist so auf die Seite gekippt.“ Während die Umstehenden panisch reagierten, fing K. mit der Herzdruckmassage an.
Warten auf den Rettungsdienst ist oft das Todesurteil
Bis zu knapp 140.000 Menschen in Deutschland erleiden jedes Jahr außerhalb eines Krankenhauses einen Herz-Kreislauf-Stillstand. Viele können gerettet werden, wenn Angehörige, Freunde oder Kollegen richtig und vor allem sofort reagieren. Doch bislang überlebt nur gut jeder Zehnte.
„Wenn Sie bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand auf den Rettungsdienst warten, ist das fast immer das Todesurteil für den betroffenen Patienten“, betont der Vorstandsvorsitzende des Deutschen Rats für Wiederbelebung, Bernd Böttiger. Bleibt das Herz stehen, wird ein Mensch nach wenigen Sekunden bewusstlos. Nach drei bis fünf Minuten fängt das Gehirn an, unwiederbringlich abzusterben.
Der Rettungsdienst ist aber oft erst später da. In den meisten Bundesländern sind 10 bis 15 Minuten angepeilt – was gerade auf dem Land häufiger nicht erreicht wird. Deshalb ist es wichtig, dass Laien in der Zwischenzeit helfen.
Prüfen – rufen – drücken
Die Symptome eines Herz-Kreislauf-Stillstands sind sehr deutlich, wie das Deutsche Herzzentrum der Berliner Charité erläutert. Die zwei wichtigsten: Bewusstlosigkeit und das Fehlen einer normalen Atmung. Auch eine unregelmäßige Atmung oder Schnappatmung gilt dabei als unnormal.
Bricht ein Mensch leblos zusammen, gilt daher der Grundsatz: Prüfen. Rufen. Drücken.
„Wenn jemand umfällt, gehen Sie hin, gucken, schütteln ihn und sprechen ihn laut an“, erläutert Böttiger. Der Professor für Intensivmedizin hat die Leitlinien federführend mit erarbeitet. Nach dem Prüfen folgt der zweite Schritt: „Wenn der nicht reagiert, dann sofort die 112 anrufen – also Rufen.“
„Stayin‘ Alive“ als Taktgeber
Nach dem Notruf folgt die Herzdruckmassage. Mit beiden Handballen auf der Mitte des Brustkorbes wird der Oberkörper fünf bis sechs Zentimeter tief eingedrückt. Und zwar zweimal pro Sekunde – das ist zum Beispiel der Rhythmus der Lieder „Stayin‘ Alive“ von den Bee Gees oder „Atemlos durch die Nacht“ von Helene Fischer.
Wichtig für alle höheren Semester: „Früher hat man noch gesagt: Atmung prüfen. Aber das dauert zu lang“, erklärt Böttiger, der auch im Präsidium des Deutschen Roten Kreuzes sitzt. Das Gleiche gelte für das Fühlen des Pulses und die Mund-zu-Mund-Beatmung. Auch das Holen eines Defibrillators raube nur kostbare Zeit: „Jede Sekunde Verzögerung der Herzdruckmassage verschlechtert das Überleben.“
Ministerium: 10.000 Leben könnten gerettet werden
Zwei Drittel der Menschen, die einen Herz-Kreislauf-Stillstand erleiden, sind laut Böttiger Männer. Im Schnitt sind die Betroffenen etwas über 65 Jahre alt. Meist ist eine Herzerkrankung wie ein Herzinfarkt oder eine Herzrhythmusstörung die Ursache.
