Lanz über Politikerin

„Keine klare Vorstellung davon, wovon sie spricht“


Aktualisiert am 15.04.2026 – 06:37 UhrLesedauer: 3 Min.

Moderator Markus Lanz zeigt sich im Interview mitteilungsfreudig, auch in eigener Sache. (Archivbild) (Quelle: Georg Wendt/dpa)

Der Fernsehmoderator Markus Lanz erzählt, wie schlechte Erfahrungen aus seiner Kindheit bis heute sein Leben prägen – und warum sie für ihn auch Antrieb waren.

TV-Moderator Markus Lanz hat in einem Interview seine Herangehensweise verteidigt, Politiker in seiner Sendung auch kritisch zu befragen. So sagte er im Gespräch mit dem Magazin „Stern“ etwa über sein Gespräch mit der SPD-Politikerin Katarina Barley vor einigen Wochen: „Ein irrer Moment und ein sehr ehrlicher, wenn eine Spitzenpolitikerin zugibt, dass sie einfach nichts mehr zu sagen weiß. Ihre Ratlosigkeit war mit Händen zu greifen.“

Auf „menschlicher Ebene“ würden ihm zwar manche seiner Gäste leidtun, so Lanz, aber „wir alle mögen dieses Rumgelaber um den heißen Brei nicht“. Er sehe seine Fragetechnik deswegen nicht unbedingt als Konfrontation oder als „Grillen“ an. Vielmehr helfe er Politikern, „die sich im rhetorischen Unterholz verlaufen haben, wieder raus. Es ist eigentlich Lebenshilfe, die ich leiste“.

Wenig Verständnis hat der Moderator hingegen für Linken-Fraktionschefin Heidi Reichinnek übrig, die nach dem letzten Auftritt bei „Lanz“ mitgeteilt habe, nicht mehr in die Sendung kommen zu wollen. Diese Reaktion empfinde er als „ein bisschen unprofessionell“. Der 57-Jährige begründet seine Einschätzung mit der mangelnden Vorbereitung mancher Politiker. So sei Reichinnek in seine Sendung gekommen, um über den Mietpreisdeckel zu diskutieren, doch die Linken-Politikerin habe „keine klare Vorstellung davon, wovon sie spricht“ gehabt.

Lanz: „Das darf die Öffentlichkeit erwarten“

Auch die Begründung der Politikerin, sie habe an Migräne gelitten, sieht er kritisch. Er habe selbst „öfter böse Migräne. Deshalb habe ich sie nicht gedemütigt, sondern mitgelitten. Demütigend wäre es gewesen, wenn ich sage, dass Migräne in der Regel nicht zu Gedächtnisverlust führt“, so Lanz. „Darf die Öffentlichkeit von der Spitzenfrau der Linkspartei erwarten, dass sie ungefähr weiß, wie der deutsche Wohnungsmarkt funktioniert, wenn die gesamte Strategie der Partei auf genau dieser Frage aufbaut? Ich finde schon. Gerade dann, wenn man rhetorisch so hart gegen böse Miethaie und Kapitalisten austeilt, wie es die Linke tut.“

Gleiches gelte für SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf: „Der war da, um die Sozialstaatsreform der SPD vorzustellen“, habe jedoch auf ihn unvorbereitet gewirkt: „Also habe ich ihn gefragt: Wissen Sie eigentlich, von welchem Volumen wir reden? Das muss man doch ungefähr wissen, wenn man im Fernsehen die Reform des Sozialstaats verkaufen will“, so Lanz.

Es müsse doch möglich sein, „sich auszutauschen, zu diskutieren, auch zu streiten“, sagte Lanz. „Mir geht es darum, einen ehrlichen Moment zu erzeugen. Das ist das, was Fernsehen in guten Momenten kann.“

Lanz: „Das war üble Kinderarbeit“

Diesen ehrlichen Moment ließ er im Interview dann auch in eigener Sache folgen, als er über eigene Selbstzweifel und frühere Minderwertigkeitsgefühle sprach. Er habe als Kind früh hart arbeiten müssen, etwa auf Kartoffeläckern und in Hotels als Tellerwäscher. „Und dabei habe ich ständig von Leuten gesagt bekommen, was ich zu tun habe. Das war üble Kinderarbeit und hat mich sehr geprägt.“ Er habe da rausgewollt, das sei sein Antrieb für die Fernsehkarriere gewesen.

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