Studie mit Marathonläufern

Vor allem Männer neigen zu plötzlichen Leistungstiefs


02.07.2026 – 17:01 UhrLesedauer: 3 Min.

Ein Marathon erfordert nicht nur Ausdauer, sondern auch eine kluge Einteilung der Kräfte. (Quelle: Frazao Studio Latino/Thinkstock by Getty-Images-bilder)

Männer absolvieren den Marathon schneller. Aber laut einer großen Analyse von 873.000 Läufen brechen sie gegen Ende häufiger ein als Frauen.

Auf einmal werden die Beine schwer, man bewegt sich immer langsamer, und die letzten Kilometer werden zur Qual: Wer Ausdauersport betreibt, kennt solche Leistungseinbrüche vermutlich. Sie treten auf, wenn dem Körper der Kraftstoff ausgeht. Da das typischerweise recht unvermittelt geschieht, ist auch vom „Mann mit dem Hammer“ die Rede.

Dieser, so zeigt eine neue Studie, scheint es in erster Linie auf männliche Läufer abgesehen zu haben. Bei ihnen kommt das Phänomen offenbar deutlich öfter vor als bei Frauen.

Mehr als 873.000 Marathonläufe ausgewertet

Für die Untersuchung analysierten Forscher die offiziellen Ergebnisse des Berlin-Marathons aus den Jahren 1999 bis 2025. Insgesamt flossen die Daten von 873.334 Läufern, die den Marathon abschlossen, in die Auswertung ein. Etwa drei Viertel der Läufer waren Männer, ein Viertel Frauen.

Die Wissenschaftler verglichen die Zeit für die erste und zweite Hälfte des Marathons. Nach ihrer Definition lag ein starker Leistungseinbruch vor, wenn das Tempo in der zweiten Hälfte um mindestens 20 Prozent geringer war als in der ersten.

Zusätzlich teilten die Forscher die Läufer nach ihrer Zielzeit in verschiedene Leistungsgruppen ein – von unter drei Stunden bis über viereinhalb Stunden. So konnten sie Männer und Frauen mit ähnlichem Leistungsniveau miteinander vergleichen.

Männer machen fast doppelt so häufig schlapp

Das Ergebnis fiel deutlich aus: Bei männlichen Läufern kamen die Leistungseinbrüche etwa doppelt so häufig vor wie bei weiblichen. Der „Mann mit dem Hammer“ attackierte in der zweiten Rennhälfte 17,6 Prozent der Männer, aber nur 9,7 Prozent der Frauen.

Der Unterschied verschwand auch dann nicht, wenn Männer und Frauen mit ähnlichen Zielzeiten verglichen wurden. Im Gegenteil: Bei den schnellsten Läufern mit einer Zielzeit unter drei Stunden war der Abstand sogar am größten. Dort brachen 1,42 Prozent der Männer, aber nur 0,23 Prozent der Frauen so stark ein.

Auch eine genauere Analyse der 5-Kilometer-Abschnitte zeigte: Männer liefen ungleichmäßiger und verloren auf den letzten Kilometern stärker an Tempo als Frauen.

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Woran könnte das liegen?

Die Studie kann diese Frage nicht beantworten. Die Forscher diskutieren mehrere mögliche Erklärungen. Eine Rolle könnten biologische Unterschiede spielen. Untersuchungen weisen darauf hin, dass Frauen bei langen Anstrengungsphasen etwas stärker auf Fettreserven zurückgreifen und dadurch ihre Kohlenhydratspeicher langsamer aufbrauchen. Das könnte einen Leistungseinbruch hinauszögern.

Denkbar sind darüber hinaus Unterschiede im Laufverhalten. Sportpsychologische Studien legen nahe, dass Männer im Wettkampf eher bereit sind, ein höheres Risiko einzugehen – etwa indem sie zu schnell starten. Frauen gelingt es dagegen häufiger, ihr Tempo über die gesamte Distanz gleichmäßiger zu halten – auch das hat sich in Untersuchungen gezeigt.

Was bedeutet das für Läufer?

Die Untersuchung gehört zu den größten Analysen zum Marathonlauf überhaupt. Durch die große Teilnehmerzahl und die Auswertung über 27 Jahre sind die Ergebnisse als robust einzuschätzen. Sie unterstreichen, wie wichtig eine kluge Kräfteeinteilung und wie riskant ein schnelles Anfangstempo ist. Vor allem ambitionierte Marathonläufer könnten davon profitieren, ein besseres Gefühl für ihre eigenen Energiereserven zu entwickeln und nicht zu aggressiv zu starten.

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