Verwaltungsratspräsident äußert sich

Dieser Satz zeigt, wie tief Lindt in der Krise steckt


Aktualisiert am 25.10.2026 – 12:18 UhrLesedauer: 2 Min.

Premium-Schokolade für lau: Lindt wirbt offensiv mit Preissenkungen. (Quelle: IMAGO/imago)

Lindt steckt in der schwersten Krise seit Jahrzehnten. Nun bricht der langjährige Verwaltungsratspräsident sein Schweigen – und gibt überraschend offen Fehler zu.

Ein Lindt-Weihnachtsmann unter dem Weihnachtsbaum, der Goldhase zu Ostern – lange galt die Schokolade des Schweizer Herstellers als erschwinglich und dennoch hochwertig. Doch in Zeiten, in denen alles – inklusive Schokolade – teurer wird, greifen viele Menschen zu billigeren Marken oder No-Name-Produkten.

Das hat Lindt besonders stark zu spüren bekommen. Die beliebten Goldhasen wurden zu Ostern zu regelrechten Ladenhütern. Lindt reagierte teils mit Preissenkungen – inzwischen sind einige Tafeln im Supermarkt sogar günstiger als die des Konkurrenten Milka.

Hinter dieser Rabattoffensive steckt die wohl größte Krise des Konzerns seit Jahrzehnten: eine mehrfach gesenkte Umsatzprognose, ein eingebrochener Aktienkurs, ein geschasster Konzernchef. Jetzt äußert sich erstmals der Mann, der Lindt & Sprüngli seit mehr als drei Jahrzehnten prägt: Verwaltungsratspräsident Ernst Tanner, kürzlich 80 Jahre alt geworden. In der „NZZ am Sonntag“ sagt er einen Satz, den man von einem Premiumhersteller selten hört: „Es tut mir weh, unsere Produkte im Ausverkauf zu sehen“.

Lindt-Präsident erstaunlich offen

Tanners Erklärung für die Krise fällt bemerkenswert offen aus: „Wir haben falsch eingeschätzt, wie die Kunden auf Preiserhöhungen reagieren.“ Nachdem der Kakaopreis ab 2024 historische Höchststände erreicht hatte, habe der Konzern diese Zusatzkosten weitergeben wollen. „Dabei haben wir überschätzt, wie stark wir die Preise erhöhen können, ohne dass die Nachfrage nachlässt“, sagt er. Das gelte vor allem für Deutschland, Österreich und der Schweiz. „Für einige Konsumenten wurden unsere Produkte in den vergangenen Monaten offensichtlich zu teuer.“

Wie weit die Fehleinschätzung reichte, zeigt ein Beispiel, das Tanner selbst nennt: Dem Verwaltungsrat seien Markttests vorgelegt worden, die belegen sollten, dass Kunden für eine Packung Lindor-Kugeln statt 9,95 Euro auch 12,95 Euro zahlen. „Das stellte sich in einigen Ländern als Fehleinschätzung heraus.“

Entschieden wird über Preise bei Lindt nicht in der Zentrale. Der Konzern führt weltweit 25 eigenständige Ländergesellschaften, jeder Länderchef verantwortet sein Geschäft selbst – auch die Preisgestaltung.

Die Preise sollen dauerhaft sinken

Für Verbraucher ist die wichtigste Antwort des Interviews die kürzeste. Auf die Feststellung, Lindt müsse damit dauerhaft günstiger werden, sagt Tanner: „Ja.“ Möglich sei das, sobald sich der Kakaopreis auf normalem Niveau einpendle. Teilweise habe der Konzern die Preise bereits gesenkt, die Rohstoffkosten seien zuletzt wieder gefallen. Die extreme Verteuerung habe Lindt „Hunderte Millionen Franken gekostet“.

Die auffälligen Rabatte im Regal sind dabei Mittel zum Zweck: „Derzeit kommen wir aber nicht um Aktionen herum, um die Kundinnen und Kunden auf unsere Preissenkungen aufmerksam zu machen.“ Gleichzeitig wolle man die Kundschaft daran erinnern, die beste Schokolade zu bieten: „Im Gegensatz zu einigen Konkurrenten haben wir unsere Rezeptur nie verändert.“ Das Rabattproblem betreffe ohnehin vor allem die Schweiz und Deutschland.

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