Schwer krank durch gängigen Wirkstoff

Darum sollten (nicht nur) Eltern das Reye-Syndrom kennen


Aktualisiert am 20.07.2026 – 16:43 UhrLesedauer: 5 Min.

Eine Frau am Krankenhausbett eines Mädchens: Bei Verdacht auf das Reye-Syndrom erfolgt meist eine sofortige Krankenhauseinweisung. (Quelle: KatarzynaBialasiewicz/getty-images-bilder)

Das Reye-Syndrom betrifft meist Kinder und führt zu schweren Hirn- und Leberschäden. Welche Symptome das auslöst und was dahintersteckt, erfahren Sie hier.

Beim Reye-Syndrom handelt es sich um eine plötzlich auftretende, nicht entzündliche Erkrankung des Gehirns (Fachbegriff: Enzephalopathie) in Kombination mit einer Leberverfettung und akutem Leberversagen. Der Gesundheitszustand der Betroffenen verschlechtert sich typischerweise rasch – häufig lebensbedrohlich.

Normalerweise erkranken aber nur diejenigen am Reye-Syndrom, die unter bestimmten Umständen bestimmte Medikamente einnehmen. Seit Fachleute dies erkannt haben und die Bevölkerung entsprechend warnen, ist die Zahl der Fälle stark gesunken.

Mittlerweile ist das Reye-Syndrom selten. Damit es so bleibt, möchten auch wir mit den folgenden Fragen und Antworten über das Risiko informieren.

Wodurch entsteht das Reye-Syndrom?

Als Auslöser für das Reye-Syndrom gelten Wirkstoffe aus der Gruppe der Salicylate – allen voran Acetylsalicylsäure (ASS), deren Einsatz als schmerzlinderndes, fiebersenkendes und entzündungshemmendes Mittel sowie zur Vorbeugung von Blutgerinnseln weitverbreitet ist.

Allerdings scheint die Einnahme von Acetylsalicylsäure nur unter bestimmten Voraussetzungen zum Reye-Syndrom zu führen: Die Erkrankung tritt hauptsächlich bei Kindern auf, die ASS während einer meist durch Viren ausgelösten akuten Infektion (wie Windpocken, Grippe oder virale Magen-Darm-Infekte) erhalten.

Vereinzelt können auch andere Erkrankungen für das Reye-Syndrom mitverantwortlich sein, etwa eine seltene angeborene Stoffwechselstörung (vor allem im Fettsäurestoffwechsel).

Warum manche Menschen unter den genannten Umständen das Reye-Syndrom entwickeln, andere hingegen nicht, ist jedoch unklar. Die genaue Ursache der Hirn- und Leberfunktionsstörung ist also bislang unbekannt.

Immerhin lassen sich die für das Reye-Syndrom typischen Symptome dadurch erklären, dass bei den Betroffenen bestimmte Zellbestandteile – die Mitochondrien – der Leberzellen geschädigt sind und somit ihre Funktion nicht mehr erfüllen können (was bedeutet, dass der Stoffwechsel in der Leber gestört ist). Möglicherweise ruft Acetylsalicylsäure diese Schäden hervor oder trägt zu deren Aufrechterhaltung bei.

Mehr wissen

Benannt ist das Reye-Syndrom nach dem australischen Pathologen R. D. K. Reye, der das Krankheitsbild im Jahr 1963 als Erster beschrieben hat. Richtig ausgesprochen klingt „Reye“ übrigens so wie der englische Name „Ray“.

Können weitere Wirkstoffe das Reye-Syndrom auslösen?

In den meisten Fällen tritt das Reye-Syndrom nach Einnahme von Acetylsalicylsäure (ASS) auf. Aber auch andere Stoffe stehen im Verdacht, die schwere Hirn- und Lebererkrankung auslösen zu können. Dazu zählen etwa:

  • Mittel gegen Epilepsie (sogenannte Antiepileptika) wie Valproinsäure
  • als sogenannte Neuroleptika eingesetzte Arzneistoffe namens Phenothiazine
  • verschiedene natürliche Pflanzenstoffe

Dass sich das Reye-Syndrom durch Ibuprofen, Paracetamol oder sonstige schmerzstillende und fiebersenkende Mittel außer Acetylsalicylsäure auslösen lässt, ist jedoch erfahrungsgemäß ausgeschlossen.

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