Fregatte F127

Kosten für Pistorius‘ Prestigeprojekt explodieren offenbar


Aktualisiert am 05.11.2026 – 12:32 UhrLesedauer: 3 Min.

Boris Pistorius (SPD) am Marinestützpunkt in Wilhelmshaven (Archivbild): Der Bundesverteidigungsminister steht bei einem weiteren Rüstungsprojekt vor Problemen. (Quelle: IMAGO/Noah Wedel/imago)

Die F127 soll die Marine im Nordatlantik stärken und Seetransporte im Kriegsfall schützen. Doch die Planung scheint aus dem Ruder zu laufen.

Die Gesamtkosten für die geplante Fregatte F127 für die deutsche Marine liegen offenbar deutlich höher als bislang angemeldet. Das berichtet der „Stern“ unter Berufung auf vertrauliche Unterlagen der Projektleitung der Bundeswehr. Offiziell sind bislang 30 Milliarden Euro angemeldet; anfangs war von rund 25 Milliarden die Rede. Nun sollen sich die Kosten auf bis zu 45 Milliarden Euro belaufen. Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) hatte die Richtungsentscheidung für das Projekt im Juli 2023 getroffen.

Acht Schiffe soll die Marine erhalten – mit einem Stückpreis von demnach rund 5,6 Milliarden Euro inklusive der geplanten Ausrüstung. Mit einer Verdrängung von mehr als 11.000 Tonnen wären sie doppelt so schwer wie bisherige deutsche Kriegsschiffe. Doch der Haushaltsausschuss prüft offenbar Alternativen. Eine Entscheidung könnte sich bis ins erste Quartal 2027 hinziehen.

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US-Waffensysteme treiben die Kosten

Die F127 soll Deutschlands Marine an der Nordflanke der Nato stärken. Als Luftverteidigungsfregatte soll die F127 Flugkörper abfangen und Ziele in großer Entfernung angreifen können. Dafür ist das US-Kampfsystem Aegis entscheidend. Für die acht benötigten Systeme plant das Pentagon laut „Stern“ mit Kosten von bis zu zwölf Milliarden US-Dollar. Hinzu kommen Tomahawk-Marschflugkörper und bis zu 750 weitere US-Raketen. Für diese Raketen allein könnten bis zu 3,5 Milliarden Dollar anfallen.

Das eigentliche Schiff dürfte mit rund drei Milliarden Euro pro Stück vergleichsweise günstig sein. Vor allem die US-Waffensysteme lassen die Gesamtkosten laut dem bericht aber deutlich steigen. Ihre Preise seien laut US-Regierungsverträgen nicht verhandelbar, berichtet der „Stern“.

Für vorbereitende Arbeiten und Studien sind demnach bereits rund 100 Millionen Euro ausgegeben worden, obwohl der Bau noch nicht beschlossen ist. Ein internes Papier führe weitere Maßnahmen vor Bestellung und parlamentarischer Billigung mit Kosten von bis zu 220 Millionen Euro auf. Zudem müsste die Bundeswehr bestehende Ausrüstung erneuern, um sie später mit Aegis nutzen zu können.

Entscheidung über Größe und Ausstattung offen

Im Haushaltsausschuss steht das Projekt dem Bericht zufolge vorerst auf Halt. Geprüft werde unter anderem, ob alle geplanten Waffen an Bord sein müssten und ein kleineres Schiff mit rund 6.000 Tonnen ausreichen könnte. Die Bundeswehr bewertet die Finanzierung laut internen Akten als „kritisch“, den Zeitplan als „sehr kritisch“.

Die erste Fregatte sollte ursprünglich 2033 abgenommen werden. Beteiligte Unternehmen rechnen dem „Stern“ zufolge inzwischen nicht vor 2028 mit einem Auftrag und frühestens 2035 mit der Indienststellung des ersten Schiffs. Eine Einsatzfähigkeit im Sinne von „ready to mission“ wäre demnach frühestens ab 2036 möglich. Für zwei wichtige Raketen muss Deutschland den USA bis April mitteilen, ob es sich an deren Waffenprogramm beteiligt.

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