Migrationspolitik

Gegen den Trend: Mehr Abschiebungen in die Türkei

Aktualisiert am 05.11.2026 – 04:30 UhrLesedauer: 3 Min.

Im Oktober gab es Proteste gegen Abschiebungen, denen sich mancherorts Hunderte von Menschen anschlossen. (Archivfoto) (Quelle: Felix Hörhager/dpa/dpa-bilder)

Mehr als 2.000 Menschen wurden bis Ende September in die Türkei abgeschoben – während Rückführungen insgesamt rückläufig sind. Schaut man auch auf freiwillige Ausreisen, ist der Trend weniger klar.

Die Zahl der Abschiebungen ist zwar zuletzt leicht gesunken, in die Türkei wurden entgegen diesem Trend jedoch in diesem Jahr sogar mehr Menschen zurückgeschickt. Das zeigt eine Antwort der Bundesregierung auf eine schriftliche Frage der innenpolitischen Sprecherin der Linksfraktion, Clara Bünger.

Was aus den vom Bundesinnenministerium dafür gelieferten Daten ebenfalls hervorgeht: Abschiebungen nach Syrien, vor allem von Straftätern, bleiben schwierig, sind jedoch in Einzelfällen möglich. Seit Jahresbeginn gab es den Angaben zufolge bisher sechs Abschiebungen in das arabische Land.

Türkei führt Liste der Zielstaaten an

Von den 14.324 Ausländern, die zwischen Anfang Januar und Ende September aus Deutschland abgeschoben wurden, wurden 2.025 Menschen in die Türkei gebracht. Sie belegte damit auf der Liste der häufigsten Zielstaaten den ersten Platz, gefolgt von Georgien mit 883 Abgeschobenen und Algerien, wohin es 629 Rückführungen gab. Algerische Staatsangehörige benötigen für die Einreise nach Deutschland grundsätzlich ein Visum, während Georgier mit biometrischem Reisepass für kurze Besuche visumfrei einreisen dürfen.

Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ist ein Rückgang der Abschiebungen um rund 18,9 Prozent zu verzeichnen. Von Januar bis September 2025 waren 17.651 Abschiebungen aus Deutschland vollzogen worden. Im gleichen Zeitraum des Jahres 2024 lag die Zahl der Abschiebungen etwa auf dem Niveau dieses Jahres.

In diesem Jahr wurden schon mehr als 200 Männer nach Afghanistan abgeschoben. (Archivfoto) (Quelle: Hendrik Schmidt/dpa/dpa-bilder)

Weniger Asylanträge

Ein Grund, weshalb zuletzt weniger Menschen Deutschland unter Zwang verlassen haben, ist die Tatsache, dass inzwischen weniger Menschen hierzulande Asyl beantragen. Die Zahl derjenigen, die erstmals in Deutschland einen Asylantrag stellen, war im ersten Halbjahr mit 39.646 Erstanträgen deutlich niedriger als im Vorjahreszeitraum (72.818 Erstanträge).

Das hat auch zur Folge, dass Deutschland weniger Übernahmeersuchen an andere Staaten der Europäischen Union stellt. Diese Ersuchen werden immer dann gestellt, wenn sich herausstellt, dass nach den Regeln des EU-Asylrechts ein anderer EU-Staat für den Antrag eines Schutzsuchenden verantwortlich ist.

Weniger Rückführungen ins Nachbarland Frankreich

Die Zahl der Rückführungen nach Frankreich nahm in diesem Jahr deutlich ab – nach 842 Abschiebungen in den ersten drei Quartalen des Vorjahres waren es von Januar und September dieses Jahres 481 Menschen, die unter Zwang in das benachbarte EU-Land gebracht wurden. Während im Vorjahreszeitraum 928 Rückführungen nach Spanien stattfanden, ist Spanien diesmal nicht unter den zehn wichtigsten Zielländern.

Wer in Spanien seinen Status legalisieren will, muss dafür Dokumente vorweisen. (Archivfoto) (Quelle: Emilio Morenatti/AP/dpa/dpa-bilder)

Die Zahl der deutschen Übernahmeersuchen an Spanien lag im ersten Halbjahr dieses Jahres mit 864 Anfragen auch weit unter dem Wert des Vorjahreszeitraums. Im ersten Halbjahr des vergangenen Jahres waren 1.517 Übernahmeersuchen an Spanien geschickt worden. Inwiefern die von der spanischen Regierung vor einigen Monaten geschaffene Möglichkeit für arbeitende Ausländer ohne Aufenthaltserlaubnis, ihren Status zu legalisieren, Menschen, hier einen Effekt hatte, lässt sich statistisch nicht abbilden.

Share.
Die mobile Version verlassen