Vor der Lebertransplantation
Gezieltes Training könnte Überlebenschancen verbessern
21.10.2026 – 15:40 UhrLesedauer: 3 Min.
Bewegung statt strikter Schonung? Ein individuell angepasstes Programm verbesserte bei Leberpatienten die körperliche Verfassung – und verringerte ihr Sterberisiko.
Wer auf eine Spenderleber wartet, leidet an einer schweren Lebererkrankung, in vielen Fällen an einer Leberzirrhose. Dabei vernarbt das Organ zunehmend und verliert seine Fähigkeit, wichtige Aufgaben im Stoffwechsel zu erfüllen. Betroffene verlieren häufig Muskelmasse und Kraft. Treppensteigen, Einkaufen oder selbst das Aufstehen von einem Stuhl können zur Anstrengung werden. Während sie auf eine Spenderleber warten, verschlechtert sich ihr Zustand oft weiter.
Ausgerechnet diesen schwer geschwächten Menschen könnte körperliches Training offenbar helfen. Eine Untersuchung aus den USA zeigt: Leberpatienten, die durch ein individuelles Bewegungs- und Ernährungsprogramm ihre körperliche Verfassung deutlich verbesserten, hatten ein rund 50 Prozent geringeres Risiko, während der Wartezeit auf eine Transplantation zu sterben. Selbst Patienten, die anfangs sehr gebrechlich waren, konnten ihre Kraft steigern.
355 Menschen nahmen am Trainingsprogramm teil
Forscher der University of Pittsburgh und der Northwestern University werteten Daten von knapp 1.300 Erwachsenen aus, die zwischen 2018 und 2022 für eine Lebertransplantation untersucht worden waren. 355 von ihnen kamen zu mindestens zwei Folgeterminen eines individuellen Vorbereitungsprogramms.
Die Patienten erhielten einen individuellen Trainingsplan für zu Hause, den Ärzte und Physiotherapeuten auf ihren Gesundheitszustand abstimmten. Dabei ging es nicht um schweißtreibendes Training im Fitnessstudio, sondern darum, die körperliche Belastbarkeit durch bestimmte Übungen schrittweise zu verbessern. Ergänzend bekamen die Patienten Ernährungsempfehlungen, die ihren persönlichen Bedürfnissen entsprachen. Alle vier bis zwölf Wochen überprüfte das Behandlungsteam die Fortschritte und passte das Programm an.
Um die körperliche Verfassung zu messen, nutzten die Forscher drei einfache Tests: Wie kräftig können die Patienten mit der Hand zudrücken? Wie gut schaffen sie es, wiederholt von einem Stuhl aufzustehen? Und wie sicher halten sie in verschiedenen Positionen das Gleichgewicht?
Daraus errechneten sie einen Wert für die körperliche Gebrechlichkeit, den sogenannten Liver Frailty Index. Je niedriger dieser Wert ausfällt, desto fitter ist der Patient.
Schon 0,4 Punkte machten einen Unterschied
Das Programm zeigte bei vielen Patienten Wirkung: Fast zwei Drittel von ihnen wurden körperlich fitter. Sie konnten kräftiger zupacken, leichter vom Stuhl aufstehen oder besser das Gleichgewicht halten. Das schlug sich auch in den Testergebnissen nieder: Der Liver Frailty Index sank bei diesen Patienten im Durchschnitt um knapp 0,4 Punkte.
Außerdem zeigte sich ein Zusammenhang mit der Lebenserwartung: Bei Patienten, deren Wert sich um mindestens 0,4 Punkte verbesserte, lag das Risiko, während der Wartezeit auf eine Spenderleber zu sterben, rund 50 Prozent niedriger als bei Patienten, die diesen Fortschritt nicht erreichten.
Nun hätte das auch schlicht daran liegen können, dass diese Patienten schon zu Beginn weniger krank und körperlich stärker waren. Um das zu prüfen, berücksichtigten die Forscher bei ihrer Berechnung unter anderem das Alter, die Schwere der Lebererkrankung und die anfängliche körperliche Schwäche. Doch auch danach blieb der Unterschied beim Sterberisiko bestehen.
Das spricht dafür, dass nicht nur die körperliche Verfassung zu Beginn entscheidend ist, sondern auch, wie sie sich während der Wartezeit entwickelt.
Auch sehr geschwächte Patienten können trainieren
Das Trainingsprogramm richtete sich ausdrücklich auch an Patienten, die körperlich bereits stark geschwächt waren. Entscheidend war, dass sie nicht überfordert wurden. Studienautor Andres Duarte-Rojo erklärt in einer Pressemitteilung: „Natürlich muss man bestimmte Vorsichtsmaßnahmen beachten. Man schickt diese Patienten nicht ins Fitnessstudio, damit sie 100 Pfund schwere Gewichte stemmen. Man muss mit einer geringen Belastung beginnen und diese langsam steigern. Aber wir beobachten, dass sich häufig gerade die gebrechlichsten Patienten am stärksten verbessern.“
