Manga-Bell-Straße

Straße in Nippes umbenannt: Der Grund reicht weit zurück


27.09.2026 – 16:00 UhrLesedauer: 2 Min.

Auch Berlin hat ein Afrikanisches Viertel (Archivbild): Hier wurde 2025 der Manga-Bell-Platz im vergangenen Jahr eingeweiht. (Quelle: Britta Pedersen)

Eine Straße im Kölner Afrikaviertel trägt einen neuen Namen. Die Umbenennung ist Teil einer Auseinandersetzung mit der Kolonialgeschichte der Stadt. Auch die Entstehung des Viertels ist eng damit verbunden.

Die Gustav-Nachtigal-Straße in Köln-Nippes trägt ab sofort den Namen Manga-Bell-Straße. Die Bezirksvertretung Nippes hatte die Umbenennung am 9. September 2025 beschlossen. Damit verschwindet der Name eines Mannes aus dem Kölner Straßenbild, der eng mit der deutschen Kolonialgeschichte verbunden war.

Gustav Nachtigal (1834–1885) war Arzt, Afrikaforscher und später Reichskommissar für Westafrika. In dieser Funktion war er an der Errichtung der deutschen Kolonialherrschaft beteiligt. Der von der Stadt Köln eingesetzte Historische Beirat kam zu dem Ergebnis, dass Nachtigal das deutsche Kolonialprojekt unterstützte und förderte. Dazu gehörte auch die Inbesitznahme von Gebieten für das Deutsche Reich.

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Bereits 2024 hatte die Bezirksvertretung Nippes grundsätzlich beschlossen, die Straße umzubenennen. Anschließend konnten Bürger Vorschläge für einen neuen Namen einreichen.

Die Wahl fiel schließlich auf Rudolf Duala Manga Bell. Der König und politische Anführer der Duala im damaligen Deutsch-Kamerun wehrte sich gegen Maßnahmen der deutschen Kolonialverwaltung. 1914 wurde er von den deutschen Behörden wegen Hochverrats zum Tode verurteilt und hingerichtet.

Mit dem neuen Straßennamen wird damit nicht nur eine Person aus der deutschen Kolonialgeschichte ersetzt. Die Umbenennung lenkt zugleich den Blick auf die Geschichte des gesamten Viertels.

Warum es in Köln-Nippes ein Afrikaviertel gibt

Das sogenannte Afrikaviertel liegt in Köln-Nippes. Eine offizielle Stadtteilbezeichnung ist der Name nicht. Er hat sich aufgrund der dortigen Straßennamen eingebürgert.
Dazu gehören unter anderem die Kamerunstraße, die Usambarastraße und die Namibiastraße. Die Bezeichnungen verweisen auf Gebiete und geografische Orte in Afrika – und teilweise unmittelbar auf die ehemalige deutsche Kolonialherrschaft hin.

Das Deutsche Reich besaß von 1884 bis zum Ende des Ersten Weltkriegs Kolonien in Afrika. Dazu zählten unter anderem Deutsch-Südwestafrika, das heutige Namibia, Kamerun, Togo sowie Deutsch-Ostafrika, zu dem Gebiete der heutigen Staaten Tansania, Ruanda und Burundi gehörten. Nach der Niederlage im Ersten Weltkrieg verlor das Deutsche Reich seine Kolonien. Damit verschwand die Kolonialpolitik allerdings nicht aus der deutschen Öffentlichkeit.

In der Weimarer Republik und später während der NS-Zeit existierte eine kolonial-revisionistische Bewegung. Ihre Anhänger forderten die Rückgabe der ehemaligen deutschen Kolonien und versuchten, die Erinnerung an das Kolonialreich wachzuhalten.
Auch im Kölner Stadtbild hinterließ diese Bewegung ihre Spuren.

Koloniale Erinnerung im Kölner Straßenbild

Die Benennung der Straßen im Afrikaviertel fällt in diesen historischen Zusammenhang. Das Viertel gilt deshalb heute als ein kolonialer Erinnerungsort der Stadt. Besonders während der NS-Zeit spielte das Thema Kolonien auch in Köln eine Rolle.

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