Bringt keinen Vorteil an der Börse

Wall-Street-Profi warnt vor KI-Agenten


17.10.2026 – 15:32 UhrLesedauer: 2 Min.

Charles-Schwab-Filiale in Newport Beach: Seit Jahrzehnten versuchen hochbezahlte Analysten eine Möglichkeit zu finden, den Markt zu schlagen. (Quelle: IMAGO/Weston Hancock/imago)

KI-Handelsagenten gelten als nächster Hype am Finanzmarkt. Doch der Chef eines der größten US-Brokerhäuser sieht klare Grenzen und warnt vor einem verbreiteten Irrtum.

Rick Wurster, Chef des US-Brokerhauses Charles Schwab, hält es für unwahrscheinlich, dass KI-Handelsagenten dauerhaft bessere Renditen erzielen als der Markt. In einem Interview mit „Yahoo Finance“ begründete er seine Skepsis mit dem Verweis auf quantitative Anlagestrategien, die seit Langem versuchen, Unregelmäßigkeiten an den Märkten auszunutzen – mit dem Ergebnis, dass diese Vorteile durch zunehmende Konkurrenz immer schneller verschwinden.

Was steckt hinter den Unregelmäßigkeiten?

Mit Unregelmäßigkeiten sind kleine Verzerrungen in der Kursentwicklung gemeint, die es eigentlich nicht geben dürfte: Wären Märkte vollständig effizient, wären alle verfügbaren Informationen längst in den Preisen verarbeitet. Dennoch tauchen solche Muster immer wieder auf – etwa wenn Aktien, die zuletzt gut liefen, kurzfristig weiter steigen, oder wenn unterbewertete Titel sich langfristig überdurchschnittlich entwickeln.

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KI-Agenten setzen genau hier an: Sie durchforsten riesige Datenmengen in Echtzeit, erkennen solche Muster schneller als menschliche Analysten und platzieren Trades, bevor sich der Vorteil wieder schließt. Das Problem dabei, so Wursters Einwand: Je mehr Marktteilnehmer dieselben KI-gestützten Methoden einsetzen, desto schneller verschwindet genau jener Vorteil, den sie eigentlich ausnutzen wollten.

KI-Agent braucht klare Vorgaben

Beim Einsatz von KI-Agenten im Handel plädiert Finanz- und Wall-Street-Profi Wurster für einen klar strukturierten Rahmen. Wer einen solchen Agenten für sich handeln lasse, müsse ihm konkrete Vorgaben machen: eine Methodik, einen definierten Prozess und eine laufende Kontrolle. Den Agenten einfach loszuschicken mit dem Auftrag, Aktien zu kaufen und zu verkaufen, hält Wurster für riskant.

Er vergleicht das mit der Möglichkeit, auf der Schwab-Plattform eine Aktie zu recherchieren und eine Limit-Order aufzugeben: So, mit klaren Regeln und Aufsicht, solle man auch mit einem KI-Agenten arbeiten. Die Kontrolle vollständig abzugeben sei „ein Schritt zu weit“ und „riskant“.

Vorteile verschwinden mit der Masse

Sein Zweifel an der Überlegenheit von KI gegenüber dem Markt stützt Wurster auf eine einfache Überlegung: Seit Jahren arbeiten hochqualifizierte Forscher mit Doktortiteln daran, mit quantitativen Strategien den Markt zu schlagen. Je mehr Anleger dieselben Methoden nutzten, desto schneller würden die damit verbundenen Vorteile wegfallen. Wenn KI tatsächlich verlässlich zu Überrenditen führen würde, wäre längst jeder auf diese Strategie umgestiegen. Wurster selbst brachte es so auf den Punkt: „Ich würde wahrscheinlich auf meiner Insel sitzen.“

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