Gratis-Altersvorsorgedepot

Rente für null Euro – Branche warnt vor dem großen Haken


17.10.2026 – 12:46 UhrLesedauer: 4 Min.

Ein Paar im mittleren Alter sitzt vor dem Laptop und informiert sich über die Altersvorsorge

Paar am Laptop (Symbolbild): Trade Republic, Scalable Capital und Smartbroker+ überbieten sich mit kostenlosen Altersvorsorgedepots – Experten sehen das kritisch. (Quelle: Goodboy Picture Company)

Kostenlos fürs Alter vorsorgen klingt verlockend. Doch Vorsorge-Experten, Verbände und Verbraucherschützer warnen: Ganz so einfach ist es nicht.

Mit dem gesetzlichen Start der geförderten privaten Altersvorsorge zum 1. Januar 2027 überbieten sich Banken und Neobroker im Werben um Sparerinnen und Sparer. Die Finanzdienstleister stellen vor allem die Gebührenfreiheit in den Mittelpunkt.

Was Sie als zukünftige Sparerin oder Sparer zunächst erfreut, kritisieren Experten nun deutlich. Ihnen geht es nicht um das Altersvorsorgedepot als neuen Baustein der Altersvorsorge an sich, sondern um den Preis – ganz nach dem Motto: Wo etwas nichts kostet, bekommen Sie auch keine Beratung. Und genau die brauchen Sie, bevor Sie sich langfristig für eine private Altersvorsorge entscheiden.

Drei Anbieter, ein Versprechen: Alles für null Euro?

Noch geht es nicht los, aber die Registrierungen laufen. Nur drei Beispiele:

  • Trade Republic macht das größte Versprechen: ein „komplett kostenloses“ Altersvorsorgedepot ohne Depot- und Ausführungskosten für Sparpläne. Dutzende ETFs von BlackRock, DWS und Vanguard bietet der Berliner Neobroker sogar dauerhaft ohne Produktkosten an.
  • Scalable Capital setzt auf zwei Varianten: ein automatisch gestaffeltes Standarddepot und ein freies Depot für Selbstentscheider. Die Produktkosten erstattet Scalable über den sogenannten „Rentenbonus“ – allerdings nur für eine ausgewählte ETF-Liste. Beim Standarddepot gilt die Gebührenfreiheit zudem nur befristet, bis mindestens Ende 2027.
  • Smartbroker+ startet mit Voranmeldung und wirbt mit null Euro Depot-, Sparplan- und Ordergebühren. Die Erstattung der ETF-Kosten im Standarddepot befristet der Anbieter zunächst auf drei Jahre. Wer sie danach behalten will, muss im Hauptdepot mindestens 15 Trades pro Jahr tätigen – schon hier zeigt sich: Ganz ohne Bedingungen ist „kostenlos“ selten.

Warum gute Vorsorge ihren Preis haben muss

Die Kritik an der Preisstruktur der Anbieter fällt deutlich aus: Wolfram Erling von Union Investment warnt auf dem Vermögensaufbaugipfel von Capital und ntv vor den Folgen eines reinen Preiswettbewerbs. „Wenn wir Produkte mit null Prozent Gebühren haben, dann weiß ich nicht, wer außer karitativen Einrichtungen da noch beraten soll“, sagt Erling bei einer Podiumsdiskussion zur Reform der privaten Altersvorsorge.

Mit ihrer Offensive hofft die Finanzbranche auf Millionen neuer Kunden, die neben dem Altersvorsorgedepot später auch weitere Produkte in Anspruch nehmen sollen. Erling sieht darin ein Problem für unerfahrene Anlegerinnen und Anleger: Beratung sei wichtig, so der Experte. Aber: „Beratung muss bezahlt werden, und da sind wir im Moment auf einem ziemlich falschen Weg.“

Auch die wirtschaftliche Tragfähigkeit der Nulltarif-Angebote stellt der Union-Investment-Manager dem Bericht von Capital zufolge infrage. „Wenn ich eine Leistung herausgebe und dafür kein Geld bekomme, würde ich als einfacher Betriebswirt sagen: Das kann sich nicht rechnen.“

Denkbar sei allerdings, dass Anbieter über zusätzliche Produkte Geld verdienen wollten. Das könne betriebswirtschaftlich funktionieren. „Ob das im Sinne der Altersvorsorge vernünftig ist, weiß ich nicht“, sagt Erling. Schließlich müsse die passende Vorsorgelösung für den Kunden im Mittelpunkt stehen.

Der Kostendeckel spaltet die Branche

Schon länger kritisiert der Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute (BVK) den gesetzlich vorgeschriebenen Kostendeckel von maximal 1,0 Prozent pro Jahr – ursprünglich plante der Gesetzgeber 1,5 Prozent – für Vertriebsvergütung, Verwaltungskosten und Fondskosten.

Den Versicherungskaufleuten missfällt außerdem, dass die neue Regelung die Abschlusskosten künftig auf die gesamte Vertragszeit verteilt. „Obwohl wir den größten Aufwand beim Vertragsabschluss haben. Das würde dazu führen, dass wir für unsere Beratungsleistungen erst nach Dekaden vergütet werden“, sagt BVK-Präsident Michael Heinz.

Bislang durften Versicherer die Abschlusskosten auf die ersten fünf Vertragsjahre verteilen. Damit kommt faktisch ein Verbot der sogenannten „Zillmerung“ für diese Verträge – ein Modell, bei dem Versicherer die Kosten bislang fast vollständig in den ersten fünf Jahren abzogen. Das soll die Verträge bei einem vorzeitigen Anbieterwechsel im Wert schützen.

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