Alle zusammen. Einzelne müssen vorsichtig bleiben und Identitäten gegenprüfen. Plattformen haben aber Mittel, die der Einzelne nicht hat. Würden wir uns jetzt per Videokonferenz unterhalten, wäre es doch hilfreich, wenn die Software selbst erkennt und anzeigt: Achtung, hier wird eine Deep-Fake-Technik eingesetzt. Gerade Bewerbungsgespräche sind inzwischen ein häufiges Einfallstor für Betrüger, die sich als jemand anderes ausgeben. Eine solche Warnung wäre sehr wertvoll. Sie ersetzt aber nicht die persönliche Vorsicht.
Elf Prozent aller Betrugsversuche arbeiten Ihrem Bericht zufolge inzwischen mit Deep Fakes. Der Trend zeigt klar nach oben. Wie steht Deutschland im internationalen Vergleich da?
Europa und Deutschland waren beim Thema Regulierung immer ganz vorn. Die Menge an Betrug ist in der EU deshalb geringer als in vielen anderen Regionen der Welt, weil hier mehr Schutz greift. Aber es gibt eine Besonderheit: Gerade weil wir wirtschaftlich stark sind, ist die mögliche Beute sehr hoch. Deshalb ist Deutschland ein attraktives Ziel für besonders ausgeklügelte Betrugsmaschen. Die Menge an Betrug ist kleiner, die Belohnung für die Täter aber deutlich größer.
Sollte KI-generierter Inhalt per Gesetz gekennzeichnet werden?
Das ist eine schwierige Frage. Jede zusätzliche Vorschrift bedeutet Kosten für Unternehmen und am Ende zahlen das die Kunden. Die Frage ist für mich also nicht, ob wir so etwas einführen, sondern wie wir es so machen, dass es für Unternehmen, Plattformen und Nutzer funktioniert. Eine einfache Antwort habe ich darauf nicht.
Vieles von dem, was Sie schildern, klingt beunruhigend. Geben Sie uns bitte drei Gründe, warum wir trotzdem optimistisch bleiben dürfen.
Erstens: Europa handelt. Die EU hat den AI Act, Dänemark erlässt Gesetze zu Deep Fakes, Großbritannien hat den Online Safety Act. Das sind echte regulatorische Fortschritte. Zweitens: Es gibt technische Lösungen. Signaturen für echte Inhalte, mehr Schutzschichten der Plattformen, bessere Aufklärung. Und drittens: Die Menschheit hat schon viele technologische Revolutionen überstanden. Beim Internet war es dasselbe: erst Begeisterung, dann Missbrauch, dann Anpassung. Ja, das Risiko, Opfer einer Täuschung zu werden, ist gestiegen. Aber Menschen finden immer einen Weg, sich anzupassen.
Herr Popov, vielen Dank für das Gespräch.
