KTM wehrt sich

Entdrosselte Motorräder verkauft? Vorwürfe gegen Motorradhersteller


27.05.2026 – 11:25 UhrLesedauer: 2 Min.

Geländemaschine: Enduros werden häufig auch in Wettbewerben genutzt. (Quelle: Sebas Romero/dpa)

Händler sollen entdrosselte Enduros mit Straßenzulassung verkauft haben. Das Kraftfahrt-Bundesamt untersucht den Fall – Hersteller KTM widerspricht den Vorwürfen.

Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) prüft Vorwürfe gegen den Motorradhersteller KTM und seine Händler. Hintergrund ist eine Recherche von ZDF „frontal“ und mehreren europäischen Medienpartnern. Demnach sollen autorisierte Händler Enduro-Motorräder so umgebaut haben, dass sie eigentlich nicht mehr auf öffentlichen Straßen dürften. Dennoch sollen sie mit Straßenzulassung verkauft worden sein.

Im Mittelpunkt stehen Enduro-Modelle der Marken KTM, Husqvarna und Gasgas. Die Motorräder werden in einer gedrosselten Version an die Kunden ausgeliefert, wenn sie im öffentlichen Straßenverkehr teilnehmen sollen. In diesem Zustand verfügen sie über eine Typgenehmigung. Nach Recherchen von ZDF „frontal“ sollen Händler die Maschinen jedoch häufig bereits vor der Übergabe an Kunden für den Wettbewerbseinsatz umgerüstet haben. Dafür liege den Motorrädern ein entsprechendes Umrüstkit bei.

Ein Whistleblower aus der Motorradindustrie sagte dem ZDF: „Ich habe noch nie ein gedrosseltes Motorrad gesehen. Es wird direkt beim Händler entdrosselt.“ ZDF „frontal“ dokumentierte nach eigenen Angaben mit versteckter Kamera den Kauf einer umgebauten KTM-Enduro. Der Käufer unterschrieb demnach zwar eine Erklärung, wonach das Motorrad nicht für den Straßenverkehr zugelassen sei. Anschließend soll er jedoch mit Nummernschild und Fahrzeugpapieren vom Hof und damit im öffentlichen Straßenverkehr gefahren sein. Der betroffene Händler beantwortete Nachfragen des Senders nicht.

Auch in anderen europäischen Ländern sollen Händler ähnliche Angebote gemacht haben. Recherchepartner in Frankreich, Belgien, Großbritannien, Italien, Österreich und Deutschland hätten die Motorräder umgebaut und mit Fahrzeugpapieren zum Verkauf angeboten, berichtet das ZDF.

Enduros entsprechen nicht mehr den Vorschriften

Genau darin sehen Kritiker das rechtliche Problem. Denn nach Angaben der EU-Kommission entsprechen Fahrzeuge nach Änderungen an der Typgenehmigung nicht mehr den Vorschriften. Hinzu kommt: Durch die Entdrosselung halten die Maschinen auch nicht die geltenden Abgasgrenzwerte ein.

Das KBA erklärte auf Anfrage des ZDF, man gehe den Hinweisen „aktiv nach“. Sollten bei der Untersuchung Verstöße festgestellt werden, werde die Behörde Maßnahmen gegen beteiligte Wirtschaftsakteure einleiten.

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KTM: „Fundamentales Missverständnis“

KTM weist die Vorwürfe zurück. Das Unternehmen erklärte am Dienstag, sämtliche Enduro-Modelle würden ausschließlich „in straßenzulassungsfähigem, homologiertem Zustand“ ausgeliefert. Die Berichterstattung beruhe auf einem „fundamentalen Missverständnis“. Enduro-Maschinen seien Sportgeräte, die zugleich für den Straßenverkehr homologiert würden. Umbauten für Wettbewerbe erfolgten erst nach dem Kauf und nur auf ausdrücklichen Wunsch des Kunden. Dabei werde darauf hingewiesen, dass die Straßenzulassung erlischt. Damit schiebt der Hersteller die Verantwortung für das Verhalten der Kunden von sich.

Das Thema Abgas bewertet der Hersteller so: „Motorräder verursachen in Deutschland laut Umweltbundesamt rund 0,3 % der CO-Gesamtemissionen. Enduro-Wettbewerbsmodelle stellen davon nur einen geringen Bruchteil dar. Ihre Laufleistung liegt ein Vielfaches unter der von Straßenmotorrädern, da sie wenige Stunden im Jahr im Sport- und Trainingsbetrieb eingesetzt werden.“ Ob das Problem also beim Hersteller selbst oder bei den Händlern liegt – oder ob die Vorwürfe haltlos sind, wird das KBA entscheiden.

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