„Anfang des Jahres war die Stimmung noch anders. Mette-Marits Kontakt zu Jeffrey Epstein hat ihr massiv geschadet. Es ist aber erstaunlich, wie sehr sich diese Stimmung wenig später schon wieder gewendet hat und wie viel Mitleid die Menschen in Norwegen nun mit ihr haben“, sagt von Schmettow. „Denn man darf nicht vergessen, dass sie eine sehr schwere Krankheit hat – sie hat die neue Lunge nur bekommen, weil ihre Lebenserwartung bei etwa noch einem Jahr lag.“

Von Schmettows eigener Blick auf die neue Königin ist zweigeteilt: „Sie hat in meinen Augen eine Zeit lang offensichtlich den moralischen Kompass verloren“, so die Expertin. „Aber dass das dazu führen sollte, dass sie als Königin nicht fähig oder nicht gewollt wäre, glaube ich überhaupt nicht. Es ist eine Hypothek, aber die Monarchie geht nicht daran zugrunde, dass Mette-Marit Königin wird.“

Hinzu kommt ein Strafverfahren in der Familie: Marius Borg Høiby, Mette-Marits 29-jähriger Sohn aus einer früheren Beziehung, wurde im Juni unter anderem wegen zweier Vergewaltigungen zu vier Jahren Haft verurteilt; rechtskräftig ist das Urteil noch nicht. Zuletzt eilte er dennoch zu König Harald ans Krankenbett. „Die Enthüllungen um Epstein haben Mette-Marits Ansehen beschädigt, und der Fall ihres Sohnes hat die Familie unter enormen Druck gesetzt“, stellt Taalesen fest. Für König Haakon sei das möglicherweise eine der größten Herausforderungen.

Drei Ratschläge für den Palast

Ob die Königin verlorenen Rückhalt zurückgewinnen kann, ist auch eine Frage der Kommunikation. „Das Aufsehen um die Skandale hat sich tatsächlich gelegt“, bilanziert der norwegische Rhetoriker und Medienkommentator Andreas Birger Johansen im Interview mit t-online. „Ich glaube allerdings, dass ein anderer Kommunikationsansatz, bei dem man die Dinge sofort richtiggestellt hätte, den Sturm schneller hätte abflauen lassen.“

Sein Rat: Der Palast solle Mette-Marit als „Königin des Volkes“ aufbauen. „Eine Monarchie kann in unserer Zeit nicht als distanzierte, von den Menschen isolierte Institution überleben“, führt Johansen aus. „Wir betrachten die Royals nicht als Übermenschen oder als von einer höheren Macht Auserwählte. Die Monarchie ist eine Tradition, die sich mit der Gesellschaft weiterentwickeln muss.“

Mette-Marit: Sie bekam vor wenigen Wochen eine neue Lunge transplantiert. (Quelle: Per Ole Hagen/Getty Images)

Konkret empfiehlt Johansen drei Schritte – Offenheit, Menschlichkeit und guten Willen. Der Hof solle entscheiden, was er öffentlich machen wolle, und genau das „geradeheraus und ehrlich“ teilen. „Die Royals machen Fehler wie alle anderen auch“, fügt er hinzu. „Wir nehmen ihnen das nicht übel, solange sie zu ihren Entscheidungen stehen und die Verantwortung für die Folgen übernehmen.“ Für den dritten Punkt verweist der Rhetoriker auf die exzellenten Berater des Hofes: „Nicht als Erster antworten – aber am weisesten.“

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