Kristina Vogel kritisiert
„Sexualität wird mir als behindertem Menschen aberkannt“
24.06.2026 – 14:35 UhrLesedauer: 2 Min.
Vor acht Jahren hatte sie einen Trainingsunfall, seitdem ist die zweifache Olympiasiegerin Kristina Vogel querschnittsgelähmt. Sexy fühlt sie sich trotzdem, wie sie jetzt klar stellt.
Am 26. Juni jährt sich der Tag ihres Unfalls zum achten Mal. An diesem Tag, den die ehemalige Bahnradsportlerin Kristina Vogel heute ihren „Happy Life Day“ nennt, hatte sie einen Unfall beim Training. Sie ist ab der Brust abwärts querschnittsgelähmt. Themen wie Weiblichkeit, Sexualität und gesellschaftliche Wahrnehmung sind seither noch stärker in ihren Fokus gerückt, wie die 35-Jährige jetzt im Interview mit „Bunte“ erklärt hat.
Zum Jahrestag ließ sie sich bei einem sinnlichen Shooting fotografieren. Das habe sich zunächst komisch angefühlt, sagte Vogel: „Aber ich dachte einfach: Egal, ich ziehe das jetzt durch. Die Nacktheit war dann auch am Set schnell vergessen.“ Es sind Bilder entstanden, auf denen sie einen offenen Blazer, ohne etwas darunter trägt. Vogel sagte, als diese aufgenommen wurden, habe sie sich „so stark [gefühlt], als wollte ich die Weltherrschaft an mich reißen“.
Der Umgang mit den körperlichen Veränderungen nach dem Unfall sei ein längerer Prozess gewesen, berichtete Vogel: „Vor dem Unfall war ich eine stehende Frau, hatte einen Sixpack, mein Ober- und Unterkörper waren sehr definiert. Durch die Querschnittslähmung werde ich nie wieder so einen Sixpack haben. Stattdessen habe ich jetzt einen kleinen Sitzbauch. Jeder verändert sich. Es brauchte Jahre, meinen Körper neu kennen- und lieben zu lernen.“
„Ich will als Frau gesehen werden“
Kritisch äußerte sich Kristina Vogel zum gesellschaftlichen Umgang mit Menschen mit Behinderung in Bezug auf Sexualität. Sie sagte: „Es ist immer noch ein Tabuthema. Haben Sie jemals ein behindertes Unterwäschemodel gesehen? Vermutlich eher nicht. Sexualität wird mir als behindertem Menschen aberkannt. Dabei sieht sie bei mir nur anders aus.“ Sie stellte klar: „Ich will nicht als Mensch mit Behinderung, sondern als Frau gesehen werden. Mit allen Attributen, die eine Frau hat. Ich darf sexy, selbstbewusst, weich und verletzlich sein.“
Sie wolle anderen Menschen mit Behinderung Mut machen, sich auch selbstbewusst zu zeigen. Und sie hat eine Botschaft: „Sexyness hängt nicht davon ab, ob eine Narbe groß oder klein ist. Wenn ich meine Narben betrachte, sehe ich, was ich geschafft habe und wie stark ich bin. Und das ist das Schönste, was man haben kann.“
Vogel und ihr Mann Michael Seidenbecher wünschen sich Kinder, haben diesbezüglich aber noch keine konkreten Pläne. Einer natürlichen Schwangerschaft stehe trotz der Querschnittslähmung nichts im Wege, sagte Kristina Vogel. Mit Blick auf die Geburt sei aber ein Kaiserschnitt die sichere Variante.
