Reform der gesetzlichen Krankenversicherung
HNO-Ärzte wollen Sprechzeiten für Kassenpatienten kürzen
08.05.2026 – 07:37 UhrLesedauer: 2 Min.
Die Krankenkassenreform sieht auch Einsparungen bei den Ärzten vor. Diese drohen nun mit unangenehmen Konsequenzen für alle Kassenpatienten.
82 Prozent der Hals-Nasen-Ohren-Ärzte planen angesichts der GKV-Sparpläne, ihre Sprechzeiten für Kassenpatienten zu kürzen. Fast genauso viele wollen im Gegenzug die Privatsprechstunden ausbauen. Mehr als die Hälfte will zudem Personal entlassen.
Dies ist das Ergebnis einer aktuellen Blitzumfrage des Deutschen Berufsverbandes der HNO-Ärzte (BVHNO). Für Kassenpatienten drohen durch die eingeschränkten Sprechzeiten längere Wartezeiten, warnte BVHNO-Präsident Jan Löhler.
Kritisiert wird vonseiten der Ärzte vorwiegend die Streichung der Zuschläge für die schnelle Terminvermittlung (TSVG). Die Zuschläge werden seit 2019 gezahlt, wenn Praxen über Terminservicestellen oder Hausärzte vermittelte Patienten oder Neupatienten innerhalb festgelegter Fristen behandeln.
Die Zuschläge spielen für nahezu alle (97 Prozent) der befragten Ärzte eine wichtige oder sehr wichtige Rolle: Das zusätzliche Geld sei in längere Sprechzeiten, neues Personal oder neue Geräte investiert worden.
„Das TSVG hat die Versorgung der HNO-Patientinnen und -Patienten verbessert und die fachärztliche Grundversorgung stabilisiert“, erklärt Höhler. Durch die GKV-Sparmaßnahmen drohe nun je Arzt ein Honorareinbruch von mehr als 44.000 Euro. Dies zwinge die Ärzte dazu, ihre Leistungen für Kassenpatienten zu begrenzen. Wie stark, ist von Praxis zu Praxis unterschiedlich:
Durch den Umsatzeinbruch wollen viele Praxen offenbar auch beim Personal kürzen. Über die Hälfte erklärte, mindestens eine Medizinische Fachangestellte entlassen zu müssen. 14 Prozent gaben an, künftig weniger ärztliches Personal in ihrer Praxis einstellen zu können.
Die von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken eingesetzte Expertenkommission hatte in ihrem Abschlussbericht empfohlen, die TSVG-Vergütungsregelungen vollständig zu streichen. Die Vergütungssteigerungen hätten zu keiner Verbesserung bei den Wartezeiten für GKV-Versicherte geführt, befand die Kommission.
Durch den Wegfall der Extra-Vergütungen können die Krankenkassen laut Schätzung der Kommission im kommenden Jahr rund 1,3 Milliarden Euro einsparen.

