Bei Verdacht auf Herzinfarkt

Dieser Test könnte vielen den Trip ins Krankenhaus ersparen


Aktualisiert am 25.09.2026 – 11:55 UhrLesedauer: 3 Min.

Bei Brustschmerzen ist oft schwer einzuschätzen, ob ein medizinischer Notfall vorliegt. (Quelle: IMAGO/Zoonar.com/Dmitrii Marchenko/imago)

Viele Patienten mit Brustschmerzen kommen unnötigerweise in die Notaufnahme. Ein neuer Bluttest könnte das womöglich verhindern.

Bei Schmerzen in der Brust liegt die Angst vor einem Herzinfarkt nahe – und damit der Anruf beim Rettungsdienst. Lieber die 112 zu wählen, ist auch ratsam, wenn der Verdacht auf eine derart gefährliche Erkrankung besteht. Zugleich führt das nicht selten dazu, dass Menschen in die Notaufnahme eingeliefert werden, obwohl sie letztlich keine akute Behandlung benötigen. Denn viele mögliche Ursachen für Brustschmerzen sind vergleichsweise harmlos.

Die unnötigen Transporte in die Notaufnahme sind aus mehreren Gründen problematisch. Sie binden Personal und Behandlungsplätze in ohnehin stark belasteten Notaufnahmen. Für die Betroffenen bedeuten sie zudem oft lange Wartezeiten und Untersuchungen, die sich im Nachhinein als nicht notwendig erweisen.

Ein neuer Bluttest könnte zur Lösung dieses Problems beitragen. Zusammen mit weiteren schnell erhobenen Informationen über den Patienten liefert er binnen Minuten einen Hinweis darauf, wie wahrscheinlich eine akute Schädigung des Herzens ist, etwa durch einen Infarkt. Eine Untersuchung aus den Niederlanden zeigt nun: Mithilfe dieses Tests ließe sich ein Drittel der Fahrten in die Notaufnahme vermeiden.

Um was für einen Test geht es?

Es handelt sich um einen sogenannten hochsensitiven Troponin-Schnelltest. Troponin ist ein Eiweiß, das ins Blut gelangt, wenn Herzmuskelzellen geschädigt werden – das geschieht unter anderem bei Herzinfarkten. Bislang wird der Wert üblicherweise erst im Krankenhaus bestimmt. Der neue Test hingegen ist für den Einsatz direkt vor Ort gedacht. Er liefert innerhalb von weniger als 20 Minuten ein Ergebnis.

Was heißt „hochsensitiv“?

„Hochsensitiv“ bedeutet in diesem Zusammenhang, dass der Test sehr geringe Mengen Troponin im Blut nachweisen kann. Er detektiert also schon kleine Veränderungen, die mit älteren Tests möglicherweise noch unentdeckt blieben. Dadurch lassen sich Hinweise auf eine Schädigung des Herzmuskels früher erfassen.

Die Entscheidung „Notaufnahme, ja oder nein?“ richtet sich jedoch nicht nach dem Blutwert allein: Die Rettungskräfte kombinieren ihn mit weiteren Angaben wie Alter, Beschwerden, Risikofaktoren und dem EKG. Daraus berechnen sie den sogenannten HEART-Score. Dieses Punktesystem schätzt ab, wie hoch das Risiko für einen schweren Herz-Kreislauf-Zwischenfall ist, also etwa einen Herzinfarkt. Je nach Ergebnis werden Patienten einer niedrigen, mittleren oder hohen Risikogruppe zugeordnet.

Wie viele Patienten könnten zu Hause bleiben?

Forscher aus den Niederlanden wollten genauer wissen, wie viele Krankenhaustransporte sich mit diesem Verfahren im Rettungsdienst tatsächlich vermeiden ließen. Dafür untersuchten sie zwischen 2022 und 2025 insgesamt 1022 Patienten mit akuten Brustschmerzen, zu denen ein Rettungswagen gerufen worden war.

In einer ersten Phase versorgten die Rettungskräfte 539 Patienten wie bisher: Sie untersuchten sie vor Ort und entschieden anhand der üblichen Befunde, ob eine Fahrt ins Krankenhaus notwendig war. In einer zweiten Phase kam bei 483 Patienten der neue Troponin-Schnelltest hinzu. Das Ergebnis floss gemeinsam mit den übrigen Angaben in den HEART-Score ein.

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