Ziel war zunächst die vor der venezolanischen Karibikküste gelegenen Insel Curaçao. Welcher Flugplatz von da aus in Venezuela angeflogen werden könnte, war zunächst nicht bekannt. Der internationale Flughafen Simón Bolívar im schwer getroffenen Bundesstaat La Guaira war wegen Schäden geschlossen worden.

Der THW-Teamleiter des deutschen Einsatzes, Peter Benz, rechnete damit, vor Ort mit viel Zerstörung und Leid konfrontiert zu werden, äußerte aber auch Hoffnung, dass auch noch viele Stunden nach dem Einsturz von Hochhäusern Verschüttete gerettet werden könnten, da viele der eingestürzten Hochhäuser aus Beton Hohlräume bildeten. „Und in den Hohlräumen haben Menschen Chancen zu überleben“, sagte der Einsatzleiter.

Region auf aneinanderstoßenden Platten

In der betroffenen Region bewegen sich nach Angaben des Potsdamer Helmholtz-Zentrums für Geoforschung (GFZ) insbesondere die karibische Platte und die südamerikanische Platte gegeneinander. Auch wenn dies immer wieder zu Beben führt, handelte es sich bei dem Doppelbeben laut GFZ-Experten um die vielleicht stärksten Erschütterungen in der Region seit etwa 100 Jahren. 1900 habe es bei Caracas ein Beben mit der Magnitude 7,7 gegeben. Und manch Anwohner erinnert sich noch an die schweren Schäden und mehr als 200 Tote nach einem Beben 1967 mit der Magnitude 6,5.

„Das ist die größte Tragödie, die wir jemals hatten“, sagte die im Exil befindliche venezolanische Oppositionsführerin María Corina Machado dem US-Sender Newsmax. Viele Leute seien unter dem Schutt gefangen, zehntausende Menschen suchten gerade nach Angehörigen. „Dies ist ein Moment, in dem wir verzweifelt internationale Hilfe brauchen“, sagte sie. Das Land sei dankbar für die Unterstützung, die es bereits von den USA und Ländern Lateinamerikas und Europas erhalte.

Machado hatte für ihre Bemühungen um einen friedlichen Übergang von diktatorischen zu demokratischen Verhältnissen 2025 den Friedensnobelpreis erhalten und im Frühjahr ihre Rückkehr nach Venezuela angekündigt.

Erdbeben verschärfen bestehende Probleme

Die politische Opposition des Landes an der Nordspitze Südamerikas ringt seit Jahren um eine Demokratisierung. Mehrfach scheiterten Versuche, die von Maduro nach dem Tod von Langzeitregent Hugo Chavéz fortgeführte sozialistische Regierung abzulösen. Millionen Venezolaner leben mittlerweile im Exil. Machado rief sie auf, angesichts der Katastrophe nach Venezuela heimzukehren: „Wir wollen, dass unsere Kinder, die überall in der Welt verstreut sind, zurück in ein Land kommen, das wir zusammen aufbauen müssen.“

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