Das ist nur der erste Schritt

Natürlich hat Klopp auf Vereinsebene sowohl mit Borussia Dortmund als auch mit dem FC Liverpool größere Erfolge vorzuweisen, aber: Bei den „Reds“ durfte er in seiner neunjährigen Amtszeit über 950 Millionen Euro für Neuzugänge ausgeben. Die Strategie, die Idee mag da noch so gut sein – da hilft das Geld natürlich auch ordentlich mit. Anders ist das, wenn du begrenztere Mittel und einen vielleicht nicht ganz so talentierten Kader zur Verfügung hast.

Ich sage aber auch: Eine Veränderung auf dem Bundestrainer-Posten alleine reicht nicht aus. Es wäre ganz falsch, zu glauben, dass es mit der Einstellung eines Nagelsmann-Nachfolgers getan wäre. Das ist nur der erste Schritt.

Kandidat beim DFB? Matthias Sammer wird für eine Führungsposition gehandelt. (Quelle: IMAGO/Frank Hoermann / SVEN SIMON/imago-images-bilder)

Da auch Geschäftsführer Andreas Rettig geht und den DFB zum Jahresende verlässt, ist nun eine wichtige Position neben Sportdirektor Rudi Völler frei. Verschiedene Namen werden schon gehandelt, von Matthias Sammer über Philipp Lahm bis hin zu Bastian Schweinsteiger oder Per Mertesacker. Für mich ist klar: Jeder von ihnen würde die nötige Qualifikation mitbringen. Alle vier haben eine extrem hohe fachliche und auch soziale Kompetenz, alle vier haben selbst auf höchstem Niveau gespielt, alle vier wissen auch aus eigener Erfahrung, im Umgang mit Spielern auch in schwierigen Situationen den richtigen Ton zu treffen.

Fußball-Deutschland will sehen, dass sich etwas tut

Es warten große Aufgaben: Das Konzept in den viel gelobten Nachwuchsleistungszentren des DFB muss überdacht werden. Schon in jungem Alter werden Spieler dort in ein Korsett, in Taktikschablonen gedrückt, die keinen Platz für Individualität oder Kreativität lassen. Die Fähigkeit, in kritischen Situationen auch mal zu improvisieren, spontan zu handeln, kommt komplett abhanden. Spieler müssen auch mal Fehler machen dürfen, um aus ihnen zu lernen, statt ständig Angst zu haben, Fehler zu machen.

Auf dem Papier mag so ein Konzept zwar noch gut und wohldurchdacht sein – was dann aber passiert, wenn auf der anderen Seite mal ein Gegner steht, der dieses Konzept durcheinanderbringt, haben wir nun während der WM gesehen. Und das darf so nicht nochmal passieren.

Die deutsche Nationalmannschaft muss so schnell wie möglich wieder auf die Beine kommen. Fußball-Deutschland will sehen, dass sich etwas tut, dass ein Team aufgebaut wird, von dem die Fans auf dem Weg zur Europameisterschaft 2028 sagen können: Da entwickelt sich etwas. Dieser Aufgabe muss sich zuallererst einer stellen: der neue Bundestrainer.

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