Vorwürfe haben Vorgeschichte

Er warf Infantino „Erpressung“ vor: Prinz wollte selbst Fifa-Chef werden


05.08.2026 – 12:25 UhrLesedauer: 3 Min.

Prinz Ali bin al-Hussein (l.) gratuliert Gianni Infantino: Im Februar 2016 kam es zur Wahl.

Prinz Ali bin al-Hussein (l.) gratuliert Gianni Infantino: Im Februar 2016 kam es zur Wahl. (Quelle: Michael Probst./ap)

Gianni Infantino bekommt öffentlichen Gegenwind aus Jordanien. Den Fifa-Präsidenten sollte der Absender der Kritik nicht überraschen.

Die Kritik an Fifa-Chef Gianni Infantino wird lauter und lauter. Kam der Gegenwind für den Schweizer aber bisher vor allem aus Europa, meldete sich eine prominente Stimme aus Jordanien zu Wort. Der Chef des jordanischen Fußballverbandes, Prinz Ali bin al-Hussein, warf Infantino auf der Plattform X „Erpressung“ vor.

Hintergrund: Im Dezember 2025 fand in Katar der „Fifa Arab Cup“ statt, ein Turnier für Nationalteams aus der arabischen Welt. Laut Prinz Ali bin al-Hussein fehlen bis heute die Prämienzahlungen für die jordanischen Nationalspieler, die daran teilgenommen hatten. Die Fifa habe monatelang ihre Hilfe verweigert. „Bis mir während der Weltmeisterschaft mündlich mitgeteilt wurde, dass es unserem Fußballverband sehr helfen würde, wenn ich Infantino unterstütze“, schrieb er auf X und legte nach: „Wir haben ihn bisher nicht unterstützt und werden das auch jetzt ganz sicher nicht tun.“

Prinz Ali bin al-Hussein äußerte deutliche Kritik an Gianni Infantino. (Quelle: Gwendoline Le Goff via www.imago-images.de)

Eine Stellungnahme der Fifa gab es bisher noch nicht. Sollten sich die Vorwürfe bewahrheiten oder andere Nationalverbände nachziehen, könnte sich Gianni Infantino nur schwer im Amt halten. Prinz Ali bin al-Hussein hätte da wohl nichts dagegen einzuwenden.

Zwei Niederlagen hintereinander

Der 50 Jahre alte Jordanier wollte selbst einst auf dem Thron der Fifa sitzen. 2015 trat er gegen Sepp Blatter an, rechnete sich gute Chancen aus. Denn zuvor war er vier Jahre Vizepräsident im mächtigen Exekutivkomitee der Fifa. Der Sohn des jordanischen Königs Hussein I. betonte, sich seine Kandidatur reiflich überlegt zu haben. Weil es unter Blatter mehrere Korruptionsaffären gab, sah Prinz Ali bin al-Hussein darin eine Chance. Er warb mit dem Kampf gegen Korruption und für Reformen im Fußball-Weltverband. Dennoch ging er als Verlierer aus dem Duell gegen Blatter. Er erhielt nur 73 Stimmen im ersten Wahlgang und verzichtete auf einen zweiten. Blatter gewann die Wahl, trat wenige Tage später aber aufgrund von Korruptionsvorwürfen zurück.

Prinz Ali bin al-Hussein (l.) neben Sepp Blatter. (Quelle: imago sportfotodienst)

Anfang 2016 sollte die nächste Wahl stattfinden. Prinz Ali bin al-Hussein trat erneut an. Sein stärkster Gegner diesmal: Gianni Infantino. Der Uefa-Generalsekretär warb mit mehr Geld, mehr Sichtbarkeit, mehr Entwicklung und einem neuen Image. Prinz Ali bin al-Hussein warb mit Transparenz und Reformen, aber weniger mit steigenden Einnahmen und internationaler Entwicklung. Bei der Wahl erhielt der Jordanier lediglich 27 Stimmen, Infantino 88 und der bahrainische Scheich Salman 85. Einzig Kandidat Jérôme Champagne (7 Stimmen) ließ er hinter sich. Im zweiten Wahlgang gewann Infantino dann, Prinz Ali bin al-Hussein war außen vor. Ein schwerer Schlag für den heute 50-Jährigen. Auch, weil Infantinos Politik für das stand, was der Prinz für das Amt als richtig empfunden hatte.

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