Berliner Gewitter-Rätsel

Warum ziehen Unwetter so oft vorbei oder lösen sich auf?


Aktualisiert am 29.07.2026 – 14:38 UhrLesedauer: 3 Min.

Menschen in Berlin tragen Regenmäntel (Symbolbild): In Berlin werden Gewitter offenbar häufig abgeschwächt. (Quelle: Jens Kalaene/dpa/dpa-bilder)

Gewitter über der Hauptstadt verhalten sich oft anders als erwartet. Ein Berliner Meteorologie-Student und TikTok-Wetterexperte erklärt, warum das kein Zufall sein muss.

Wer in Berlin lebt, kennt das Phänomen wahrscheinlich gut: Eine Gewitterfront ist angekündigt – doch kurz vor der Stadt löst sie sich auf oder zieht vorbei. Was viele für Zufall halten, beschäftigt auch Experten und Wetterbeobachter. Einer von ihnen ist der Berliner Meteorologie-Student Tobias-Sebastian Schencke, der das Thema kürzlich in einem TikTok-Video aufgegriffen hat.

Schencke studiert an der Freien Universität Berlin und ist zugleich an der Wetter- und Klimastation Berlin-Dahlem tätig. Dort wird das Wetter seit 1908 nahezu ohne Unterbrechung beobachtet. Nach seinen Angaben gibt es deutliche Hinweise darauf, dass Gewitter über Berlin tatsächlich häufig abgeschwächt oder umgelenkt werden.

Fragestellung ist wissenschaftlich nicht abschließend erforscht

Auf Anfrage der Berliner Regionalredaktion von t-online verweist Schencke auf eine Studie aus dem Jahr 2019. Darin wurden Gewitter zwischen 2006 und 2016 untersucht. Das Ergebnis: Rund 60 Prozent der Gewitter wurden beim Überqueren Berlins abgeschwächt, umgelenkt oder in ihrer Struktur verändert.

Warum genau dieses Phänomen in der Hauptstadt regelmäßig eintritt, ist auch für die Forschung noch rätselhaft. „Tatsächlich ist es wohl am Ende ein Mix aus vielen Faktoren. Den einen Faktor, der Berlin besonders macht, zu bestimmen, ist aber wirklich schwer zu bestimmen“, erklärt Schencke dazu. Das Thema sei wissenschaftlich noch längst nicht abschließend erforscht.

Warum meiden Gewitter Berlin? Es gibt verschiedene Theorien

Als eine der wahrscheinlichsten Erklärungen gilt der sogenannte Wärmeinsel-Effekt, wie Meteorologie-Studenten an der FU Berlin und Schencke glauben. Städte heizen sich durch die dichte Bebauung und versiegelte Flächen stärker auf als ihr Umland. Dadurch bildet sich über Berlin häufig eine wärmere und trockenere Luftschicht. „Trockene Luft ist schlechter für Gewitter oder Niederschlag, da es bodennah zu Verdunstungen kommen kann, ehe der Niederschlag überhaupt den Boden erreicht“, erklärt Schencke. Allein damit lasse sich das Phänomen jedoch nicht erklären. Auch andere Großstädte verfügen über ausgeprägte Wärmeinseln, ohne dass sich Gewitter dort ähnlich häufig wie über der Hauptstadt auflösen.

Doch es gibt auch weitere Erklärungsansätze: Diskutiert werden außerdem der sandige Untergrund des Berliner Urstromtals, die leichte Hügellandschaft im Süden Berlins sowie die dichte Bebauung. Gebäude könnten demnach bodennahe Luftströmungen abbremsen und Gewitter dadurch beeinflussen. Auch trockene Luft, die bei West- oder Südwestlagen im Lee des Harzes – die windabgewandte Seite des Gebirges – entsteht, kommt als möglicher Faktor infrage, sagt Schencke. Solche Lee-Effekte seien aus anderen Gebirgsregionen bekannt und könnten das Wetter beeinflussen.

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